Barb Wire Steelbook Unrated Blu-ray

Barb Wire – Filmkritik & Review zur Blu-ray-Unrated Version

Als pubertierender Junge in den 90er Jahren kam man an Pamela Anderson nicht vorbei. Ich könnte sogar behaupten, dass sie mir von David Hasselhoff vorgestellt wurde. Wenn man mit 10 Jahren Hasselhoffs Musik gut fand, schaute man automatisch auch seine Serie Baywatch, worin die gute Pam nicht zu übersehen war. Ihr Badeanzug musste wohl von der NASA entwickelt worden sein, dass er seine Aufgabe so reizend und stabil meisterte. Auch wenn sie es mit 111 Folgen zur fleißigsten Schauspielerin der Serie brachte, wollte sie, neben ihren Boulevard-Eskapaden, es auch auf die große Leinwand schaffen. Mit der ungewöhnlich hohen Summe von 50 Millionen Dollar als Produktionskosten, einer Hauptdarstellerin mit begrenztem Schauspieltalent und einer Filmcrew, der am ersten Tag klar war, dass sie hier im Trash-Genre arbeiten, ist einer der größten kommerziellen Kinoflops der 90er Jahre entstanden: BARB WIRE. Turbine bringt diesen Film jetzt uncut und in gestochen scharfen Kurven auf Blu-ray in der Unrated-Fassung raus. Ich selbst war damals zu jung für einen Kinobesuch des Films und außerdem eher bei der Baywatch-Serie auf Erika Eleniak konzentriert, so dass ich erst mit Mitte 30 endlich mal bei Barb auf den Motorradsattel springen durfte und eine Zeitreise in die 1990er unternehmen konnte und ich sage euch: Es war ein gutes Gefühl.


© Polygram Filmed Entertainment

Inhalt „Barb Wire“

Wie das mit alten Science-Fiction-Filmen so ist, ist die Zukunft meist schon lange hinter uns. 2017, die USA befindet sich in ihrem zweiten Bürgerkrieg. Barbara „Barb Wire“ Kopetski (Pamela Anderson) betreibt das Hammerhead, eine Rockerbar mit Waffengarderobe am Eingang, Live-Rockband und jeder Menge Stahltreppen in einer alten Lagerhalle. So hatte man sich eben einen coolen Schuppen vor 20 Jahren vorgestellt. Leider reicht, trotz jeder Menge Gäste, die Kohle vorn und hinten nicht und die Polizei, besonders Alexander Wills (Xander Berkeley), will ordentlich geschmiert werden. Deswegen ist Barb als ehemalige Mustersoldatin jetzt noch nebenberuflich als Kopfgeldjägerin unterwegs und rettet auch mal junge, reiche Damen aus einer Entführung. Das gelingt ihr alles problemlos, trotz Wespentaille, High Heels und ihrem runden, permanenten Doppel-Blickfang. Ach ja, nebenbei gibt es auch noch Freiheitskämpfer, ein einzigartiges Superserum in der DNA einer Wissenschaftlerin, ein böse Regierung in Nazi-Uniform und jede Menge Haut von Barb zu sehen.


© Polygram Filmed Entertainment

Gestern Flop, heute Top

Ich weiß nicht woran es liegt, aber heute kann man wesentlich entspannter an sogenannte Trashfilme rangehen. Sie sind von Müll weit entfernt und haben sich durch ihre einzigartige Optik einen kleinen Platz in der Filmgeschichte geschaffen. Ich bin mir sicher, dass aktuelle Kinofilmproduktionen wie PURGE: Teil 34 oder OVERBOARD in zehn Jahren vergessen sein werden. Gut, dass es ein Label wie Turbine gibt, welches für Kulturerbe dieser Art Sorge trägt. Der erste Grund einen Film wie BARB WIRE gut zu finden ist, dass man auf keinen Fall mit einer Fortsetzung oder Ähnlichem rechnen muss. Der Film ist über 20 Jahre alt und wird wohl nie wieder angefasst. Das macht es zu einem abgeschlossenen Erlebnis. Ein weiterer Grund, warum der Streifen gut ist, sind die Effekte. Ich gebe zu, man kann Pams Stuntdouble immer mal erkennen, aber dafür hat es sich ordentlich ins Zeug gelegt und die Motorräder der Marke Triumph an ihr Limit gebracht. Realistische Pyrotechnik und Feuerbälle, wo der Filmcrew sicherlich die ein oder andere Augenbraue angekokelt wurde, runden das Action-Trash-Paket ab. Außerdem, welcher Film kann schon mit einer fünf minütigen Striptease-Anfangsszene dienen? Wo ich selbst zugeben muss, dass es wohl nach INCEPTION die langsamste Zeitlupe aller Zeiten war, vielleicht hat mir mein Hirn auch hierbei einen Streich gespielt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie damals die wenigen Zuschauer ins Kino gegangen sind, mit dem Hintergedanken ein paar Pamela Anderson-Oben-Ohne-Szenen zu erblicken und ihnen wurde gleich dieses feuchte Intro um die Ohren gehauen. Ganz nach dem Motto: Wünsche werden gleich zu Beginn erfüllt! Was mich bei BARB WIRE sehr beeindruckt hat, waren die vielen coolen Kameraperspektiven, die einen Hinweis auf die Comicvorlage geben. Regisseur David Hogan und Kameramann Rick Bota haben viele verrückte Winkel und Perspektiven gefunden. Leider kam bei Beiden nach diesem Film nie eine erfolgreiche Karriere zustande. Wer noch richtig mit Film-Nerd-Wissen glänzen will, kann sich einmal Gedanken machen, warum BARB WIRE als CASABLANCA-Remake gilt. Da gibt es einige Parallelen.

BARB WIRE PACKSHOOT Steelbook
Cover des Steelbooks © TURBINE

Das Release im Steelbook und Mediabook von Turbine

Es gibt offiziell zwei Versionen von BARB WIRE. Einmal die ungekürzte R-Rated-Fassung, die es bereits von Universal auf Blu-ray gibt und eine Unrated-Version. Die Master zur Unrated-Versionen sind, wie auch das ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT Filmset, 2008 beim Brand der Universal-Studios zerstört worden. Turbine – neuste Super-Releases CRYING FREEMAN und SCHLOCK – hat sich die Mühe gemacht andere Quellen, leider alle in schlechterer Qualität (SD), für die Unrated-Szenen anzuzapfen und eine offizielle Blu-Ray-Unrated Version zu veröffentlichen. Ab und zu fallen die eingesetzten Szenen mit dem hochskalierten SD-Material etwas auf, aber das Gesamtpaket ist wirklich gut gelungen und es stört das Filmvergnügen nicht im Geringsten. Mich freut auch sehr, dass es wieder eine Stereo-Tonmischung, neben dem DTS-HD-Master in 5.1, für beide Sprachen gibt. Das macht sich auf einem Fernseher ohne Surround-Sound-Anlage wirklich gut bemerkbar. Das Bonusmaterial beläuft sich auf 30 Minuten. Es gibt sexy Deleted-Scenes – ausschließlich von der Striptease-Einlage Andersons – und ein typisches 90er Jahre Making-of. Die Filmcrew gibt darin grob den Drehbuchinhalt wieder und verrät, warum der Film so toll wird, auch wenn man hier schon merkt, dass allen klar ist keinem Meisterwerk beizuwohnen. BARB WIRE kommt als Turbine Steel-Collection im schönen Steelbook (Metal-Case) mit einer 1.500 Stück-Auflage in die Läden. Die Farben des Covers sind, wie auch die Bildqualität des Films, perfekt gelungen und der Innendruck ist äußerst stylisch. Es wird auch eine kleine Mediabook-Auflage von 500 Stück im September mit dem bekannten VHS-Cover geben. Aber bei dieser knallharten Actionblondine muss man einfach zur stählernen Variante greifen.


© Polygram Filmed Entertainment

Fazit

Eine perfekt geglückte Zeitreise in die 90 Jahre Trash-Actionfilm-Abteilung mit einem gestochen scharfen Bild und bester Tonabmischung lassen die Comicheldin BARB WIRE wieder auferstehen. Hier ist das Taschengeld bestens angelegt.

Titel

Barb Wire (1996)

Regisseur

David Hogan

Poster

Veröffentlichung

Limited Edition im Steelbook (Blu-ray) von Turbine - Im Rakete-Shop kaufen

Auflage

Steelbook 1.500 Stück
Mediabook auf 500 Stück (ab September 2018)

Schauspieler

Pamela Anderson (Barb Wire)
Xander Berkeley (Alexander Willis)
Udo Kier (Curly)
Temuera Morrison (Axel)
Jack Noseworthy (Charlie)
Victoria Bell (Cora D)
Steve Railsback (Colonel Pryzer)

Trailer

Comicvorlage

Nach dem Comic "Wire" von Chris Warner und Ilene Chaiken

Drehbuch

Chuck Pfarrer
Ilene Chaiken

Kamera

Thomas Burstyn

Musik

Michel Colombier

Schnitt

Peter Schink

Technische Daten der Blu-ray

Ton: Deutsch und Englisch - DTS-HD Master Audio 5.1 & 2.0 Stereo
Bild: 1,85:1 (1080p/24 Full-HD)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Laufzeit: 98 min + ca. 30 min Bonusmaterial
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Chefredakteur

Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter

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