Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks – Filmkritik

Beim Teutates!

Die gesamte Kinolandschaft ist besetzt von Superhelden. Wirklich die gesamte Kinolandschaft? Nein! Ein kleines gallisches Dorf leistet Widerstand und das schon seit fast 60 Jahren! Die Kultfiguren aus der Feder des Zeichners Albert Uderzo und Autor René Goscinny sind seit ihrem ersten Abenteuer 1959 immer noch agil und voller Tatendrang. Diesen kann man nun auch wieder im Kino bestaunen, denn mit ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS liefern die Regisseure Alexandre Astier und Louis Clichy ein neues Kapitel aus dem Leben von Asterix und seinen Freunden. Ab dem 14. März gibt es den Film in den deutschen Lichtspielhäusern.

Inhalt

Das uns allen bekannte kleine gallische Dorf am Rande der Bretagne steht vor einer schwierigen Entscheidung. Der Dorfdruide Miraculix verstaucht sich nach einem Unfall im Wald den Knöchel und sieht darin ein schlechtes Omen für sich selbst und das Dorf. Die Jahre sind auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen und so sieht er den Vorfall als ein Zeichen sich frühzeitig nach einem würdigen Nachfolger für das Druidentum umzusehen. Damit geht natürlich auch die Weitergabe der geheimen Zaubertrankformel einher. Aber wer kommt dafür in Frage? Den Zaubertrank zu brauen bedeutet nicht nur Macht, sondern auch die Verantwortung über das Dorf und seine Bewohner. Um die richtige Entscheidung zu fällen, machen sich Miraculix, Asterix und Obelix auf, um allen jungen Druiden Galliens einen Besuch abzustatten.

 

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks // ©UNIVERSUM FILM

Liebenswert wie immer

Kollege Christoph hat in seinem Beitrag zu DRACHENZÄHMEN 3 bereits angerissen, was für einen positiven Effekt junge Kinobegeisterte in einer Pressevorführung haben. Auch bei ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS wurden zum Pressetermin Familien und Kinder eingeladen. Aus persönlicher Neugier habe ich mich vor dem Film einmal durchgefragt, wer überhaupt die Figuren und die alten Abenteuer der tapferen Gallier kennt. Es stellt sich heraus, dass die Mehrheit wenig mit den Namen Obelix, Asterix und Idefix anfangen kann. Es wird also spannend, wie sich die “alten” Herren beim jungen Publikum schlagen. Auf die heranwachsende Zielgruppe angepasst, setzt Alexandre Astier wie bereits im letzten Teil (ASTERIX IM LAND DER GÖTTER, 2014) auf einen knuddeligen und charmanten Animationsstil. Dieser ist nicht so detailliert wie bei großen Animationsstudios, fängt aber den Charme der alten Zeichentrickfiguren gut ein. Mit knubbeligen Nasen und großen freundlichen Augen sind Asterix und Co. besonders liebenswert und das kommt gut bei dem jungen Publikum an. Alten Veteranen fehlt jedoch der unverwechselbare Stil der Original-Comics und -Filme.


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Mit der Zeit gehen

Auch ein Asterix kommt nicht drumherum sich der Zeit anzupassen. Dazu gehören neben dem angesprochenen Anmiationsstil auch popkulturelle Anspielungen und neumodische Erscheinungen. Ohne zu viel zu verraten, aber es kommt im Film zu einer Art Riesen-Roboter-Kampf, daneben gibt es Altbewährtes. Wortwitz und Slapstick dominieren den Film und das kommt besonders bei den Kleinen und Junggeblieben sehr gut an. Auch thematisch versucht sich Asterix mit modernen Problemen auseinanderzusetzen. Das ist für die Reihe allerdings nichts Neues. Schon immer ging es auch in den Comics um aktuelle Probleme im Gewand einer antiken und vorindustrialisierten Welt. Bereits kurz am Start des Abenteuers wird das erste große Thema Gleichberechtigung angebrochen und löst in mir Ernüchterung aus. Ich erahne jetzt schon das Ende der Geschichte und wohin die Reise führen soll. Hierbei möchte ich betonen, dass das nicht amThema, sondern am zu simplen Drehbuch liegt. Auch ein Kinderfilm kann Themen ohne Klischee-Hammer an das junge Publikum überbringen. Dabei beweist ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS, dass es im eigenen Film auch funktioniert. Der Bösewicht ist mit seinen Ansichten und Überzeugungen ein nachvollziehbarer Charakter, so ist seine Motivation nicht grundlos böse und überraschend rational. Dass seine Handlung am Ende überspitzt bosartig werden muss, um ein Ende herbeizuführen, sollte man dem Kinderfilm nicht vorwerfen.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks // ©  UNIVERSUM FILM

Gefahr die Identität zu verlieren

Es ist also besonders frustrierend, wenn der Film offensichtlich Themen anspricht und sie dann im Sande verlaufen lässt. Das von mir erahnte Ende kommt nicht hundertprozentig. Das aufgemachte Thema wird allerdings in keiner anderen Form wieder aufgegriffen und es bleibt die Frage: Wozu das Ganze? Hier enttäuscht Asterix mit Belanglosigkeit. Es ist löblich, dass zwischen lustigen Raufereien und Albernheiten auch Werte vermittelt werden, jedoch richtig konsequent traut sich der Film keine Stellung zu beziehen. Auch sonst gibt es an der ein oder anderen Stelle störende Dinge, bei denen nicht ganz klar ist, warum sich dafür entschieden wurde. Ein Beispiel: So erklingt nicht in gewohnter Manier das altbekannte Intro der unbeugsamen Gallier im besetzen Gallien und auch das ikonische Asterix-Thema wird ersetzt durch “You spin me Round” von Dead Or Alive. Das funktioniert ganz gut, aber fühlt sich wie ein Identitätsverlust an. Einen Sinn erkennt man in solchen Entscheidungen nicht. Vielmehr verwässert der Nostalgiefaktor und die Reihe läuft Gefahr in der großen Konkurrenz unterzugehen. Nicht nur für alte Fans wäre das ein herber Verlust. Wünschenswert wäre eine Rückbesinnung auf die alte Stärken und weniger eine Anpassung an die Konkurrenz.

Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks // © UNIVERSUM FILM

Fazit

Auch nach 60 Jahren sind durch die Luft fliegende Römer, Hinkelsteine und Wildschweine einfach lustig. ASTERIX UND DAS GEHEIMNIS DES ZAUBERTRANKS ist ein weiteres gelungenes Abenteuer für die ganze Familie. Leider wurden ein paar Abstriche zu viel an altbewährten Dingen gemacht, um sich neu und modern zu positionieren. Dabei haben Asterix und Obelix das nicht nötig. Thematisch traut sich der Film ebenfalls nicht allzu viel und unterschätzt damit sein junges Publikum. Wenn man Dinge anspricht, können auch klare Statements dazu gemacht werden. Was bleibt ist Unterhaltung, die viel Spaß macht, aber zu kurz im Kopf verweilt.

Titel, Cast und CrewAsterix und das Geheimnis des Zaubertranks (2018)
OT: Astérix: Le secret de la potion magique
PosterFilm Poster
Kinostart14.03.2019
RegisseurAlexandre Astier & Louis Clichy
Trailer
BesetzungChristian Clavier ( Astérix)
Guillaume Briat ( Obélix)
Alex Lutz (Teleferix)
Bernard Alane (Panoramix)
Elie Semoun (Cubitus)
DrehbuchAlexandre Astier
RomanvorlageRené Goscinny & Albert Uderzo
KameraDavid Dulac
MusikPhilippe Rombi
SchnittBertrand Maillard
Filmlänge85 Minuten
FSKab 0 Jahren
Keinen Beitrag verpassen
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