Angel Heart (1987) – Filmkritik

ANGEL HEART ist eine mitreißende Liebeserklärung an das ikonischste Genre des amerikanischen Kinos: den Film-noir.

Die Handlung

New York, 1955: Privatdetektiv Harry Angel (Mickey Rourke) erhält von dem geheimnisvollen Louis Cyphre (Robert de Niro) den Auftrag einen verschwundenen Sänger, namens John Liebling aufzuspüren. Dessen kurzzeitiger Erfolg basierte auf einem Vertrag mit Cyphre. Diesem entzog sich Liebling kurzerhand, um den ausgehandelten Preis nicht zahlen zu müssen. Auf seiner Flucht verlor er zudem sein Gedächtnis und so auch jegliche Erinnerung an sein voriges Leben. Der Detektiv verfolgt nun die Spur eines ganz und gar verlorenen Mannes. Dabei begleiten ihn immer wieder blutige Mordopfer aus seiner direkten Umgebung.

Seine Nachforschungen führen ihn über ein Sanatorium, in welchem sich der Flüchtige auch einer Gesichtsoperation unterzogen haben soll, nach New Orleans. In der Glut des Südens begegnet er zwei geheimnisvollen Frauen. Zum einen der französischstämmigen Verlobten des Flüchtigen, Margaret Krusemark (Charlotte Rampling). Die Wahrsagerin lässt unter ihrer kühlen Strenge eine von Liebling tief verletzte Frau erkennen. Laut ihrer Aussage sei der Flüchtige bereits seit Jahren tot. Die zweite Frau ist Lieblings Tochter Epiphany (Lisa Bonet) aus der Liaison mit einer farbigen Voodoheilerin. Sie bringt ihn nicht nur zum Höhepunkt zwischen ihren Schenkeln, sondern auch näher an das blutige Geheimnis seines Auftrags heran. Angel verstrickt sich immer tiefer in einen schwarzmagischen Strudel aus Verrat, blutigen Ritualen und der Suche nach einer verlorenen Identität. Die Suche endet mit einer höllischen Fahrstuhlfahrt.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Fahrstuhl ins Herz von Hollywood

Alan Parker inszenierte 1987 mit ANGEL HEART einen visuell mitreißenden Neo-Film-noir um einen Detektiv auf der Jagd nach sich selbst. Noch heute fasziniert er als ein unabhängiger Vertreter eines zu seiner Zeit in Teilen noch frei atmenden, amerikanischen Kinos. Bevor wir uns jedoch genauer mit der filmischen Odyssee in die Abgründe von Mickey Rourkes fesselnd interpretierten Hauptfigur begeben, schauen wir noch ein wenig zurück auf die Wurzeln dieses farbigen und zugleich doch so schwarzen Films.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Angelehnte Türen

Wir befinden uns Mitte der 1980er-Jahre. Das New Hollywood existiert offiziell nicht mehr. Doch seine damaligen Mitgestalter sind immer noch hungrig und drängen danach, ihre Geschichten auf lebendigem Zelluloid zu erzählen. Und in den großen Studios sind vereinzelte Türen für originelle Stoffe und Visionen noch nicht ganz verschlossen. Gerade bei einem Genre scheinen viele Produzenten ihre Türen bewusst nur angelehnt zu haben: dem Film-noir. Harte, ursprünglich in schwarz-weiß gedrehte Thriller mit ambivalenten Helden, sexuell aufgeladenen Bildern, einer pessimistischen Sicht auf die menschliche Natur und ohne Chance auf ein wirkliches Happy End. Stilistisch mit seinen starken Hell-Dunkel Kontrasten aus dem deutschen Expressionismus genährt und inhaltlich auf die amerikanische Pulp- und Hardboiled-Detektiv-Literatur zurückgehend, ist diese Gattung, neben dem Western, die vielleicht klassischste des uramerikanischen Films.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Vom Film-Noir zur Nouvelle Vague

Diese auch als schwarze Serie bezeichneten Filme kultivierten zwei der ikonischsten Figuren des Kinos: den gebrochenen Privatdetektiv auf verlorener Mission, sowie die schicksalhafte Femme fatale. Aus diesen Archetypen entwickelten sich in der Folge weitere ambivalente Helden zwischen Verbrechen und Gewissen.

Angel Heart (1987)
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DIE SPUR DES FALKEN (John Huston, 1941) und der weniger bekannte STRANGER ON THE THIRD FLOOR (Boris Ingster, 1940) gelten als die ersten ihrer Art. Humphrey Bogart, Robert Mitchum, oder Kirk Douglas wurden so zu Antihelden mit Hut und Trenchcoat. Lauren Bacall, Veronica Lake oder Barbara Stanwyck wurden nicht nur zu oft todbringenden Partnerinnen, sondern entwickelten gleichzeitig den vielleicht unabhängigsten und stärksten Frauentypus der Leinwand. Diese Filmgattung aus dem goldenen Zeitalter der 1940er-Jahre gilt auch heute noch als die fruchtbarste Schnittmenge zwischen Hollywood und dem europäischen Kino.

Zum einen erhielt sie durch den französischen Filmkritiker Nino Frank ihren Namen. Darüber hinaus inspirierte gerade der Film-noir zunächst britische Filmemacher zu einer unbewussten Gegenbewegung zu einem sich parallel immer stärker selbst reglementierenden Hollywood im Anblick antikommunistischer Mc Carthy Hatz. Als berühmtestes Beispiel rennt hier DER DRITTE MANN (Carol Reed, 1948) durch die magische Kanalisation Wiens. Auch hier finden sich die prägnanten Motive des einsamen Helden auf einem abwärts führenden Weg zum Kern der Geschichte und gleichzeitig in die abgelegensten Winkel seiner selbst.

Genau diesen Weg nach unten, in eine Welt der Schatten, Kontraste und Abgründe folgte wenig später auch der französische Film. Über Meisterwerke wie DIE TEUFLISCHEN (Henri George Clouzot, 1954), RIFIFI (Jules Dassin, 1955) oder dem von Miles Davis fiebrig begleiteten FAHRSTUHL ZUM SCHAFFOTT (Louis Malles, 1958) gelangen wir Anfang der 60er schließlich AUßER ATEM (Jean-Luc Goddard) zur verspielt revolutionären Nouvelle Vague.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Neo-Noir

Natürlich brachte auch das US-Kino weitere Vertreter dieser nicht immer eindeutig greifbaren Gattung hervor. IM ZEICHEN DES BÖSEN (Orson Welles, 1958) gilt hier nicht nur als einer der besten Filme des CITIZEN-KANE-Jahrhundert-Genies, sondern auch als leuchtendes Beispiel für die ursprüngliche Kraft des Genres und seiner unzähligen Variationsmöglichkeiten. Auch wenn man spätestens mit Welles Ballett durch die Nacht von Neo-Noir spricht, konnte sich dieses Genre bis heute seine Kraft bewahren. Sein Schwarz-Weiß war darüber hinaus nicht auf das Material des Films beschränkt. Es war mehr der Grundton einer Geschichte und seiner Charaktere. So erstrahlte manches dem Film-noir zugeordnete Werk, wie zu Beispiel NIAGARA (Henry Hathaway, 1953), in satten Farben. Diese Befreiung von der äußeren Form beflügelte dann später auch Filmemacher wie Roman Polanski (CHINATOWN, 1974) oder Martin Scorsese (TAXI DRIVER, 1976) zu ihren Reminiszenzen an das breit atmende Kino ihrer Kindheit. In diesem Geist öffneten auch die 1980er-Jahre ihre Tore zu einigen meisterhaften Sinfonien zwischen Hell und Dunkel.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Die Achtziger

Gleich mit BODY HEAT präsentiere uns 1981 Regiedebütant Lawrence Kasdan (SILVERADO) seine vor Erotik schwitzende Interpretation des Genres. Nach DER HÖLLENTRIP (Ken Russel, 1980) verfällt William Hurt diesmal einer ganz menschlichen Droge: Kathleen Turner. Mit ihr erleben wir eine der atemberaubendsten und monströsesten Femmes fatales des US-Kinos. Hier wurde die sonst so gern im Schwarz versteckte Sexualität der Protagonisten in pulsierend farbiges Gegenlicht getaucht. Und ganz nebenbei glänzte hier bereits ein gewisser Mickey Rourke in einer seiner ersten größeren Filmrollen.

Im prägnantesten Beispiel für eine konsequente Weiterentwicklung des Film-noir rannte 1982 der BLADE RUNNER durch neonfarbigen Dauerregen seinem nihilistischen Schicksal entgegen. Ridley Scott transferierte den abgehalfterten Detektiven mit stilistisch farbiger Brillanz in die Zukunft einer dystopischen Gesellschaft. In der Urfassung noch von seiner eigenen Stimme aus dem Off begleitet, einem prägenden Stilmittel des Film-noir, führte uns Harrison Fords Charakter in die Arme einer wahrhaft künstlichen Femme fatale und schließlich ins Angesicht seiner in Frage gestellten Existenz (dies dann noch stärker ab dem Directors Cut von 1991).

Im tiefen Schatten einer immer stärker scheinenden Blockbuster-Sonne und ihren hell leuchtenden Planetengiganten, allen voran Steven Spielbergs E.T., JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES und Teil zwei und drei der STAR-WARS-Saga, DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK, DIE RÜCKKEHR DER JEDI RITTER (bis auf E.T. alle Drehbücher interessanterweise von Lawrence Kasdan), konnte das künstlerische Flackern des BLADE RUNNER dennoch genügend Wärme für individuellere Budgets in den Hinterzimmern der großen Studios erzeugen.

So erhielt auch Alan Parker, neben Ridley Scott, Hugh Hudson (DIE STUNDE DES SIEGERS, 1981) und Adrian Lyne (FLASHDANCE, 1983), einer von vier britischen Regiemusketieren aus der Welt des Werbefilms, die Möglichkeit seinen Beitrag zum schwarzen Filmgenre beizusteuern.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Alan Parker

Nach seinen Erfolgsfilmen MIDNIGHT EXPRESS (1978), FAME (1981) und THE WALL (1982) reservierten die Studios für ihn eine Art Carte Blanche auf ihren Produktionsplänen. Laut eigener Aussage immer ein großer Bewunderer des amerikanischen Films, führte er dennoch unbewusst den neorealistischen Stil der BRITISH NEW WAVE um Tony Richardson (DIE EINSAMKEIT DES LANGSTRECKENLÄUFERS, 1962) in Hollywood fort. Sein unmittelbarer und visuell dennoch immer hoch erlesene Stil eignete sich perfekt für eine Weiterentwicklung des in beiden Ländern kultivierten Film-noirs. Als gelernter Autor lag sein Fokus immer auf starken Geschichten mit realistischen Charakteren und pointierten Dialogen. So entwickelte er seine Vision des Romans ANGEL HEART von William Hjotrsberg.

Alan Parker und Mickey Rourke in der Drehpause // Quelle: IMDb

Drehbuch und Regie

Hier kombinierte Autor und Regisseur Alan Parker sehr klug die klassischen, genretypische Stilmittel des noir mit Voodoo- und Satanselementen. Das Schwarz übertrug sich nun auch auf die Hautfarbe wichtiger Charaktere, sowie auf religiöse Elemente. Er erweiterte gewissermaßen den Erzählraum des noir bewusst ins Übernatürliche. Die gerade in Filmen oft zu satanischer Barbarei entwürdigte Religion wird hier zu einem Medium zwischen den Welten. Je tiefer Angel in das Geheimnis seiner Mission hinabsteigt, umso mystischer wird seine Umgebung. In kultischen Tänzen nimmt der Film die immer dichter werdende Verschmelzung zwischen Diesseits und Jenseits vorweg. Voodoo besetzt hier den Platz des Unbewussten.

Angel Heart (1987)
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Auch die sonst so klassische Rückblende wird hier um alptraumhafte Szenerien ergänzt. Immer wieder betritt Angel eine Welt zwischen bruchstückhafter Erinnerung und visionär erweiterter Realitätswahrnehmung. Seine Realität folgt den unsicheren Pfaden der eigenen Existenz.

Darüber hinaus wird hier der schwarze Mann zum weißhäutigen, leibhaftigen Teufel und das Unbekannte zur wahrhaftigen Hölle, auf die sich der Protagonist unaufhaltsam zubewegt. Am Ende besteigt er seinen Fahrstuhl zum Schafott.

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In dieser Twilight Zone zwischen sonnigem Himmel und einer alptraumhaften Nacht verwebt Parker die sonst rein äußerlichen Symbole des Genres mit ganz elementaren Phänomenen. Zum Beispiel stehen die inflationär auftauchenden Ventilatoren für eine sich langsam ausbreitende Höllenhitze. De Niros Figur umwehen auch bei Eiseskälte die kühlenden Rotoren einer beklemmenden Schattenwelt. Eine subtil ironische Reminiszenz taucht zudem in Mickey Rourkes Gesicht auf. Durch das kurzzeitige Tragen einer Sonnenbrille mit Nasenschutz ähnelt er Jack Nicholson und seinem Nasenverband in CHINATOWN.

Angel Heart (1987)
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Die sezierte Femme fatale

Interessant auch die Weiterentwicklung des weiblichen Counterparts. Dabei durchbricht er das sonst so typische Schwarzweiß vergangener Werke. Er verteilt vor allem die Attribute der klassischen Verführerin auf zwei völlig gegensätzliche Frauentypen. Während Charlotte Ramplings Figur rein optisch der typischen Femme fatale à la Lauren Bacall entspricht, entpuppt sich die auf den ersten Blick eher unschuldig wirkende, gemischtrassige Tochter des Verschwundenen als diejenige, welcher der Held sexuell verfallen muss. Ihre offensichtliche Sexualität folgt jedoch keinem manipulierenden Ziel, sondern ist Ausdruck eines natürlichen Verlangens. Ihr einziger Fehler ist der, den falschen Mann zu begehren. Beeindruckend wie die damals erst 19-jährige Lisa Bonet (THE COSBY SHOW) diese frei denkende, junge Frau mit einer sinnlich selbstbewussten Aura verkörpert. Leider konnte sie ihrem vielversprechenden Kinodebüt wenig vergleichbare Qualität hinzufügen. Lediglich in kleinen Rollen, wie in HIGH FIDELITY (Stephen Frears, 2000) blitzte ihr Talent punktuell noch einmal hervor. Heute kennt man sie fast nur noch als Exfrau von Lenny Kravitz und Mutter der aktuell top angesagten Zoe Kravitz (MAD MAX – FURY ROAD und bald eine weitere CATWOMAN an der Seite von Robert Pattinson).

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Zwar präsentiert Parker beide Frauen als starke Persönlichkeiten, zeigt sie aber am Ende als Opfer rücksichtsloser Männer. Somit entmystifiziert er in gewisser Weise, die bis dato so hochstilisierte Verführerin. Egal wie stark und unabhängig sie zunächst wirkt, am Ende muss sie sich der zerstörerischen Kraft eines Mannes unterordnen.

Die Sexualität wird hier zwar von ihrem sonstigen Übel befreit, die daraus erlangte Freiheit wird aber sogleich wieder von männlichen Herrschaftsansprüchen zerstört. Darüber hinaus steht genau dieses Phänomen auch für die jahrhundertelange Unterdrückung der afroamerikanischen Bevölkerung durch die weiße Herrschaftsschicht. Am Ende siegt wieder die Sklaverei über mögliche Utopien. So nimmt Parker auch rein bildästhetisch sein ein Jahr später entstandenes Meisterwerk MISSISIPPI BURNING (1988) vorweg. Fast wirkt es, als habe er sich für diesen wichtigen Film gegen Rassismus mit großen Teilen von ANGEL HEART aufgewärmt. In beiden Filmen dringt er rein optisch tief in den Spirit des Südens ein. Zusammen mit Kameramann Michael Seresin (PLANET DER AFFEN – REVOLUTION) gelingen Parker dabei soghafte Bilder zwischen Schönheit und Schrecken.

Mickey Rourke

Ja, Mickey Rourke war mal einer der heißesten, männlichen Filmstars Hollywoods. Nach IM JAHR DES DRACHEN (Michael Cimino, 1985) und 9 ½ WOCHEN (Adrian Lyne, 1986) war er auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Spannend dabei sein kultivierter Trashlook, mit pockennarbigem Gesicht, Dauerkippe im Mund und animalischer Sexualität. Allein mit seiner Erscheinung nahm er so Verbindung zu den grobschlächtigen Antihelden der 40er Jahre auf. Hierbei erinnert er äußerlich an einen fast schon vergessenen Star des Film-noir: John Garfield (UFER IM NEBEL, 1941 oder IM NETZ DER LEIDENSCHAFTEN, 1946). Während dieser seiner raukantigen Ausstrahlung mit eleganten Maßanzügen noch eine gewisse weltmännische Würde verleihen konnte, war Rourke auch im Bereich Haar- und Kleidermode konsequent auf dem Weg zu seinem Charles-Bukowski-Charakter in BARFLY (Barbet Schroeder, 1988).

Angel Heart (1987)
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Doch genau diese auf den ersten Blick eher abstoßende Erscheinung konterkariert er in ANGEL HEART mit einer fast schon kindlichen Verletzlichkeit. So präsentiert er uns einen der sensibelsten Charaktere seiner Laufbahn. Sein Abdriften in einen schicksalhaften Sog der absoluten Hilflosigkeit ist zum Ende hin fast körperlich spürbar. Rourke trifft dabei instinktiv eine irritierende Tonalität des Mitgefühls für eine Figur, die man sonst zu 99 % zum Teufel wünschen würde. Bei ANGEL HEART hofft man, dass der Teufel ihn gerade nicht bekommen wird. Rourke zeigt sich hier auf dem Gipfel seines fast schon verschwenderisch gestalteten Talents. Parallel zu seinem bizarren Wahn, Berufsboxer sein zu wollen, sank gleichermaßen auch das Niveau seiner Filme. Im Gegensatz dazu wuchs seine zweifelhafte Karriere zum Botoxjunkie. Zu viele verlorene Kämpfe in drittklassigen Boxringen forderten seine Eitelkeit auf mittleidige Weise heraus. Dass er es in all der Zeit darstellerisch immer noch draufhatte, bewies er spätestens 2001 mit seinem herzzerreißenden Kurzauftritt in Sean Penns DAS VERSPRECHEN. Und spätestens 2008 bewies er allen mit THE WRESTLER (Darren Aronofsky) was für ein Darsteller er sein konnte.

Robert de Niro

Der ursprünglich für die Hauptrolle vorgesehen Jahrhundertmime, wechselte freiwillig in die für ihn interessantere Rolle des diabolischen Auftraggebers. Der sonst mit seinem kompletten Körper agierende De Niro beschränkt sich hier fast vollständig aufs Sitzen und eine erschreckend beherrschte Gestik. Und doch spürt man mit jedem Wimpernschlag das Brodeln unter seiner aristokratisch leuchtenden Haut. In den wenigen Auftritten seines Louis Cyphre zeigt sich Robert De Niro als vollkommener Mime im Geiste des Method Actings. Alles an ihm ordnet sich dem von ihm erwählten Charakter unter. Kostüm, Fingernägel und das Verspeisen eines Eis zeugen von perfekter Verschmelzung zwischen Schauspieler und Figur. Ein wirklich beeindruckendes Duell zweier Ausnahmedarsteller.

Angel Heart (1987)
© Studiocanal

Fazit

Man kann Parker nicht laut genug dafür beglückwünschen, dass er seinen Film in Hollywood genau so machen durfte, wie wir ihn heute wieder erleben können. So viel Blut auf nackter Haut, ein solch tabuloser Umgang mit Religion und ein so unbefangener Blick in die Welt einer rassistisch geprägten Gesellschaft, wären in der Form heute kaum noch vorstellbar. Dass dabei aus heutiger Sicht nicht immer alles politisch korrekt daherkommt, wirkt eher befreiend als beklagenswert. Nur weil wir heute gewisse Dinge nicht mehr vorkommen lassen wollen, heißt es nicht, dass wir dadurch bessere Menschen geworden sind, geschweige denn bessere Filmemacher. Hier darf Kino noch frei atmen. Frei von politischer Korrektheit, filmischer Zensur und kleingeistiger Angepasstheit. ANGEL HEART ist ein befreiter Traum vom Kino.

Die Blu-Ray

Angel Heart (1987)
Die Blu-ray von Studiocanal

Das Bild wirkt wie frisch in den Projektor eingelegtes Zelluloid. Nicht immer ganz scharf, aber mit einer in natürlichen Farben leuchtenden Kraft, die uns heutige digital produzierte Werke kaum noch bieten können. Die Extras umfassen ein sehr informatives Interview mit Alan Parker, Einblicke in den damaligen Drehprozess, sowie eine sehr interessante Doku über die eigentliche Bedeutung von Voodoo. Insgesamt eine mehr als sehenswerte Veröffentlichung eines der herausragenden Filme der 80er Jahre.

© Andreas Ullrich

Titel, Cast und CrewAngel Heart (1987)
Poster
ReleaseSeit dem 19.09.2019 remastered auf 4K-UHD und Blu-ray

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RegisseurAlan Parker
Trailer
BesetzungMickey Rourke (Harry Angel)
Robert De Niro (Louis Cyphre)
Lisa Bonet (Epiphany Proudfoot)
Charlotte Rampling (Margaret Krusemark)
Pruitt Taylor Vince (Det. Deimos)
DrehbuchAlan Parker
Buchvorlagebasiert auf dem Roman FALLING ANGEL von William Hjortsberg
KameraMichael Seresin
MusikTrevor Jones
SchnittGerry Hambling
Filmlänge113 Minuten
FSKab 16 Jahren

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