#2 FLUXHorrorfilmRemakes – Amityville Horror (1979) vs. The Amityville Horror (2005)

Amityville Horror (1979)

AMITYVILLE HORROR, einer meiner erschreckendsten Gruselfilme aus der Kindheit, hat mich bei der Erstsichtung im Kino bis ins Mark verängstigt. Noch mehr ängstigte mich allerdings die Fortsetzung von 1982 AMITYVILLE II – DER BESESSENE (AMITYVILLE 2 – THE POSSESSION), der eigentlich schon ein erstes Remake des Vorgängers ist. Heutzutage kann AMITYVILLE HORROR mit seiner behäbigen Herangehensweise und dem etwas trägen Plot nur noch wenige Zuschauer begeistern, was sehr schade ist, denn der sehr behutsame Anstieg der Angst- und Gewaltspirale ist in dieser Form heutzutage nicht mehr zu finden. Im Jahr 1979 jedoch, gehörte der Film zu den zehn erfolgreichsten Filmen des Jahres. Insgesamt brachte die Reihe es auf 13 Fortsetzungen, von mehr oder weniger indiskutabler Qualität, ein Ende scheint auch noch nicht in Sicht.

© 1979 MGM

Das Drehbuch beruht auf den angeblich wahren Erlebnissen der Familie Lutz, die mehrfach überprüft, verfilmt, veröffentlicht und bis heute immer wieder ausgeschlachtet werden. Doch der Wahrheitsgehalt dieser Ereignisse wurde von mehreren unabhängigen Experten immer wieder angezweifelt und infrage gestellt. Allerdings ist der Mord an der Familie DeFeo wirklich geschehen, jedoch sind die genauen Hintergründe und Motivationen, die zu der Tat führten, mehr als mysteriös und bis heute nicht restlos geklärt. November 1974, Amityville, Long Island: Der damals 23-jährige Ronald DeFeo erschießt seine ganze Familie im Schlaf, genau um 3:15 Uhr. In der folgenden Gerichtsverhandlung spricht Ronald immer wieder von Stimmen, die ihm die Morde befohlen hätten. Bis heute sitzt er in einem Hochsicherheitsgefängnis des Staates New York.

© 1979 MGM

13 Monate später zieht die Familie Lutz in das verlassene Haus ein und erlebt einen wahren Alptraum, den der Film ausführlich schildert. Im Jahre 1977 veröffentlichte der Autor Jay Anson sein Buch „The Amityville Horror“, das die Erlebnisse eben jener Familie Lutz ausführlich beschreibt. Das Buch war ein voller Erfolg und kurz darauf meldete sich auch Hollywood. Die Regie sollte zu Beginn des Projektes der Produzent Ronald Saland übernehmen. Da er jedoch über keinerlei Erfahrung verfügte, bekam einer der Großen in Hollywood, Stuart Rosenberg, den Zuschlag. Wer jetzt fieberhaft überlegt, woher er denn den Namen Amityville kennt, dem will ich schnell mitteilen, dass Steven Spielbergs Klassiker DER WEISSE HAI (JAWS, 1975) ebenfalls in diesem Ort spielt. Als Einwohner von Amityville steht man nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens. Aber wenn man lange genug am Leben bleibt, steht man ganz sicher einmal im Scheinwerferlicht der Kameras.

© 1979 MGM

AMITYVILLE HORROR beginnt mit einem unheimlichen Blick auf das Haus, blutrot ist der Himmel, der sich auch in den Fenstern spiegelt und sofort wird klar, welche blutigen Taten hier geschehen sind und noch werden. Zusätzlich zum schon sehr unheimlichen Haus wurde der fantastische Score von Lalo Schifrin mit der Präsenz des Bösen gekoppelt, was zu einem intensiven Schauer beim Betrachter führt. Wenn wir schon bei blutrot sind, gibt es für alle eine weitere Warnung in Form der roten Haustür. Die Farbe Rot hat schon immer im Film eine besondere Funktion gehabt, so auch hier. Im Horror-Genre steht Rot fast immer für Gefahr oder dass der Sensenmann gleich vorbeischaut.

Morgens um 3:15 Uhr in Amytiville

Wieder einmal geht es um das klassische Geisterhaus, wie wir es schon in unzähligen Filmen bewundern durften. Aber nicht etwa wie in dem Klassiker SPUK IM SCHLOSS (THE CAT AND THE CANARY) von 1927, der eher als Komödie funktioniert, oder in der wesentlich unheimlicheren Verfilmung des E. A. Poe Klassikers DER UNTERGANG DES HAUSES USHER (LA CHUTE DE LA MAISON USHER, 1928). Dieses Haus hat noch viel mehr zu bieten, denn hier wohnt das Urböse. Nicht greifbar, nicht besiegbar und auch nicht erklärbar. Wo früher nur Gespenster mit ihren Ketten rasselten, finden wir heute das Tor zu Hölle. Dem erfahrenen Zuschauer kommt sogleich Lucio Fulcis Klassiker DIE GEISTERSTADT DER ZOMBIES (E TU VIVRAI NEL TERRORE, 1981) (Platz 6 in unserer Liste der besten Horrorfilme der 1980er-Jahre), der auch unter dem Titel ÜBER DEM JENSEITS bekannt ist, in den Sinn.

© 1979 MGM

Das Böse vergiftet die Gedanken und Gefühle aller Anwesenden, unliebsame Besucher werden gnadenlos attackiert und verjagt. Ein Jahr später formulierte Stanley Kubrick mit seinem SHINING (THE SHINING) diese Thematik noch ausführlicher und erste vorsichtige Erscheinungen traten vor die Kamera. Auch wenn wir bei AMITYVILLE nur kleine Häppchen dieses universellen Grauens serviert bekommen, sind diese jedoch durchweg äußerst intensiv und verlangen nach mehr. Unwillkürlich erinnert das unsichtbare Böse den ein oder anderen auch an TANZ DER TEUFEL (THE EVIL DEAD, 1981) (Platz 4 in unserer Liste der besten Horrorfilme der 1980er-Jahre) von Sam Raimi. In den 1970er-Jahren begann das große Outing der Geister und Dämonen mit dem Blockbuster DER EXORZIST (1973) (Platz 8 in unserer Liste der besten Horrorfilme der 1970er-Jahre). Den endgültigen Durchbruch vor der Kamera schafften die Kreaturen mit Tobe Hoopers lauwarmen POLTERGEIST (1982) Aufguss. Vorbei waren die Zeiten der weißen Betttücher und dem Kettenrasseln in dunklen Fluren.

Regisseur Rosenberg, der bis auf AMITYVILLE nie etwas mit Horrorfilmen am Hut hatte, bearbeitete seine Geistergeschichte zwar mit allerlei stereotypen Horrorfilmzutaten wie Gewitter, blutende Wände, Gegenstände, die verschwinden, kalte Luft im Raum oder auch die typischen Alpträume. Trotz allem ist die Atmosphäre und Spannung durchweg auf einem hohen Level und es gibt einige interessante Kamerafahrten. Gerade der schon erwähnte behutsame Anstieg des Grauens ist Rosenberg hervorragend gelungen, diese kriechende Angst vor der nahenden Dunkelheit ist in jedem Moment spürbar.

© 1979 MGM

Die Darsteller

Virtuos ist auch das Spiel der drei großen Stars von AMITYVILLE, James Brolin UNTERNEHMEN CAPRICORN (CAPRICORN ONE, 1977), DER TEUFEL AUF RÄDERN (THE CAR, 1977) und WESTWORLD (WESTWORLD, 1973), Margot Kidder DIE SCHWESTERN DES BÖSEN (SISTERS, 1972), JESSY – DIE TREPPE IN DEN TOD (BLACK CHRISTMAS, 1974) und (SUPERMAN (1978) sowie Rod Steiger DER LÄNGSTE TAG (THE LONGEST DAY, 1962), DOKTOR SCHIWAGO (DOCTOR ZHIVAGO, 1965) und IN DER HITZE DER NACHT (IN THE HEAT OF THE NIGHT, 1967). Mit ihrer ganzen Klasse präsentieren sie uns den schweren Kampf ihrer Charaktere gegen das unsichtbare Grauen. Während Brolin mit großem Geschick die langsame Verwandlung des George Lutz vom liebenden Mann zum cholerischen und gewalttätigen Psychopathen präsentiert, stürzt seine Partnerin Margot Kidder, von der zu Beginn sehr bodenständigen und selbstständigen Kathy Lutz, in ihre, für die damalige Zeit, typische Opferrolle, in der sie allen inneren wie auch äußeren Einflüssen hilflos ausgeliefert ist. Rod Steiger lässt noch einmal seine ganze Erfahrung in seinen Father Delaney fliesen. Nach einer ersten Konfrontation mit dem Bösen ringt er nicht nur um seinen Glauben, sondern sucht auch verzweifelt eine Möglichkeit zum Kampf gegen einen unsichtbaren Feind und einen Ausweg für die Familie Lutz. Auffällig in AMITYVILLE ist das totale Scheitern der Kirchenvertreter, die es weder schaffen das Böse zu besiegen noch den geringsten Widerstand leisten. Gleichzeitig geht auch ein Bruch durch die zu Beginn gesunde Familie Lutz, das Versagen von George im Bett mit seiner Frau Kathy ist nur ein Beispiel dafür.

© 1979 MGM

Das Böse

Der einzige negativ Punkt an der 1979er Version ist für mich die sehr frühe Enttarnung des Bösen beim Besuch von Father Delaney. Das raubt dem Zuschauer schon zu Beginn die Hoffnung, dass die folgenden Ereignisse vielleicht doch nur Zufall oder gar Einbildung der Protagonisten sind. Dieser kleine Rettungsanker der Vernunft und Wissenschaft, der bei vielen Geisterfilmen immer wieder zum Einsatz kommt, wird hier ohne Grund viel zu früh entsorgt. Denn der weitere Plot zeigt uns in ruhigen Aufnahmen, wie der Einfluss des Bösen sich langsam ausweitet, wie die Pest um sich greift, mit kalten, toten Klauen. Erst gegen Ende, als Kathy das rote Augenpaar am Fenster entdeckt, wird so langsam auch dem letzten Zweifler klar, dass es sich nicht nur um Einbildung handelt. Ebenso ist etwas von einem Monster das George am Fenster entdeckt, nur für ein Bruchteile im Bild zu sehen. Regisseur Rosenberg hat das alles sehr effektiv in Szene gesetzt und nährt damit die Verwirrung und gleichzeitig die Spannung beim Zuschauer. Immer wieder zweifelt dieser und hinterfragt sich selbst, wäre da nicht dieser sehr frühe Angriff gegen Father Delaney gewesen.  Wenn am Ende die Katharsis vollzogen ist und die Eltern zur Erkenntnis gelangen, dass schreckliche Haus doch zu verlassen, bekommen wir als Zuschauer ein sauberes Ende präsentiert. Auch wenn das Entkommen vor dem Zugriff des Bösen sehr knapp war, gelingt trotzdem die Flucht.

© 1979 MGM

Im ähnlich gelagerten LANDHAUS DER TOTEN SEELEN (BURNT OFFERINGS, 1976) war ein Entkommen nicht mehr möglich. Der Film hat, ähnlich wie AMITYVILLE, ein sehr gemächliches Tempo und ist von einer feinen technischen Qualität sowie einem überragendem Cast: Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Bette Davis. Auch hier werden die einzelnen Familienteile aus dem verborgenen angegriffen und verändern sich in ihrem Charakter unmerklich, mehr und mehr zum Negativen. Überhaupt haben beide Filme eine sehr große Ähnlichkeit. Das Thema wird in ähnlicher weiße auch sehr überzeugend in THE EVIL – DIE MACHT DES BÖSEN (1978) und DAS GRAUEN – THE CHANGELING (THE CHANGELING, 1980) behandelt, auch wenn die Ausgangslage dort etwas anders aufgebaut ist.

Titel, Cast und CrewAmityville Horror (1979)
OT: The Amityville Horror
Poster
ReleaseKinostart: 17.01.1980 in Westdeutschland

Seit dem 10.11.2017 auf Blu-ray
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RegisseurStuart Rosenberg
Trailer
BesetzungJames Brolin (George Lutz)
Margot Kidder (Kathy Lutz)
Rod Steiger (Father Delaney)
Don Stroud (Father Bolen)
Natasha Ryan (Amy)
DrehbuchSandor Stern
Jay Anson
KameraFred J. Koenekamp
MusikLalo Schifrin
SchnittRobert Brown
Filmlänge118 Minuten
FSKab 16 Jahren

 

The Amityville Horror (2005)

Warum auch immer, aber vor Sichtung des Remakes war ich positiv gestimmt, dass ich diesmal einen in etwa gleichwertigen Film zu sehen bekomme, auch angespornt von einigen lobenden Rezessionen im Internet. Positiv fand ich schon die verkürzte Laufzeit auf jetzt nur noch knapp 90 Minuten. Prima, die haben den Stoff etwas gestrafft, um mehr Tempo ins Spiel zu bringen. Jedoch, nach Sichtung des Films war ich wieder auf dem harten Boden der Realität angekommen. Es ist überhaupt kein Problem, wenn Regisseur wie auch der Autor Details des Inhalts verändert oder umschreibt. Es ist auch kein Problem, wenn neue Prioritäten gesetzt werden. Aber wenn das Ganze in einem so unglaublichen Schmierentheater abdriftet, dann habe ich dafür keinerlei Verständnis mehr.

© Dimension Films

Ebenso habe ich mich mittlerweile an den lockeren Ton, den viele Filme heutzutage anschlagen, gewöhnt. Wenn krampfhaft versucht wird, einzelne Charaktere überaus cool und witzig darzustellen, was allerdings in den meisten Fällen nur noch nervig ist. Dem Original ging ja bekanntlich jede Spur von Komik gnadenlos ab, was auch gut so war und zum ernsten Ton dahinter passte. Hier jedoch wird die erste Hälfte mit dummen Sprüchen durchlöchert, um dann die zweite Hälfte knochentrocken und möglichst ernst beenden zu wollen. Was im Verlauf nur noch unglaubwürdig und unfreiwillig komisch wirkt.

© Dimension Films

George

Gleich von Beginn an wird Georg als Außenseiter in der Familie Lutz etabliert, als Eindringling, als Fremdkörper. Der leibliche Vater von Kathys Kindern verstarb vor einiger Zeit, wie man im Laufe des Films erfährt. Trotz aller Bemühungen wollen die Kinder den neuen Vater nicht akzeptieren. Besonders Billy kämpft gegen George an, umso mehr, wenn die ersten psychischen Veränderungen bei Ankunft im neuen Haus beginnen. Bei der 1979er Version hätte das wenig Sinn gemacht, da die Kinder noch viel zu jung waren, um eine Misstrauen gegen George aufzubauen. Hier haben wir jedoch einen Konflikt zwischen Billy und George wie er schon im zweiten Teil AMITYVILLE II – DER BESESSENE (AMITYVILLE 2 – THE POSSESSION, 1982) der Reihe ausformuliert worden ist. Während in der Fortsetzung der Sohn in die Außenseiterrolle gedrängt wurde und der Vater mit harter Hand die Familie bändigt, ist der Außenseiter nun George. Diese negative Position verstärkt sich im Laufe des Films mehr und mehr. Er wird regelrecht abgekapselt und lebt schlussendlich im Keller des Hauses. Leider wird der interessante Vater-Sohn-Konflikt, der viel Potenzial birgt, wie man schon im zweiten Teil der Reihe sehen konnte, dieses Mal nicht sehr überzeugend dargestellt.

© Dimension Films

Horror im Schnellverfahren

Als nach gut der ersten Filmhälfte die Erkenntnis in Kathy feste Konturen annimmt, dass ihr neues Heim böse ist und sie sich in größter Gefahr befinden, überkommt mich die Einsicht, dass die Reduzierung der Laufzeit doch keine so gute Idee war. Mit der starken Straffung des Stoffes kommt alles viel zu schnell, zu abrupt. Es gibt keinen schleichenden Angriff, das Böse ist sofort zu 100 Prozent da und es entfällt jeglicher Spannungsaufbau. Es stellt sich hier auch nie die Frage, ob vielleicht ein weiteres Mitglied der Familie ebenfalls im Bann des Hauses steht. Während man im 1979er-AMITYVILLE das Böse mit dem Adjektiv subtil verbinden kann, hat es im 2005er-Remake das Substantiv Holzhammer verdient. Wo das Original noch die Fantasie des Zuschauers anspricht, benötigt das Remake den direkten, billigen Schock und muss wirklich alles in Szene setzen, was dem Ganzen mehr als abträglich ist. Ein langweiliger Schockeffekt reiht sich an den anderen, immer wieder tauchen Fratzen von längst verstorbenen Personen auf und terrorisieren die neuen Bewohner des Hauses. All das haben wir wesentlich spannender in THE SIXTH SENSE (1999) präsentiert bekommen. Bekanntlich wurde das Ganze daraufhin in den folgenden Jahren in so ziemlich jedem Geisterfilm integriert. Es hält sich hartnäckig bis in die heutige Zeit, in der Filme, wie z. B. INSIDIOUS (2010) ohne diese langweiligen Effekte nicht mehr auskommen und jegliches Mitfantasieren des Zuschauers ins Nirwana verbannt.

© Dimension Films

Natürlich muss nun auch der Schrecken im Keller wie auch die unsichtbare Freundin Gestalt annehmen. Amy Lutz hatte 1979 nur einen Schaukelstuhl, mit dem sie uns in Angst und Schrecken versetzte. Dagegen greift ihr Remake Chelsea Lutz im Jahre 2005 in die ganz große Trickkiste, und das auch noch in einer möglichst ekligen Version. Es verkommt zum tausendsten Besuch in derselben Geisterbahn und entlockt dem Beobachter nur noch ein müdes Gähnen. Sehr schön ausformuliert hat das Christopher Frayling: „…der Zugang zum Schrecken über simplen Schock (…) ist weniger wirkungsvoll als der über Schatten, Andeutungen und Symbole.“ [1]

© Dimension Films

Eher peinlich als sinnvoll finde ich den Auftritt des Kindermädchens. Im 1979er-Auftritt holt die Familie Lutz sich ein Mädchen, die vom Äußeren ihrem Job in allen Klischees jener Zeit entspricht, vor allem mit der großen Zahnspange. Dagegen bekommen wir im 2005er-Remake eine Frau (die angeblich noch zur Schule geht) als Babysitter vorgesetzt. Dass sie nicht gleich mit Billy, dem Sohn der Familie Lutz, in die Kiste springt ist alles, so wie sie sich anschließend auf dem Bett windet. Gekleidet als wolle sie danach noch auf eine Party oder dem ältesten Gewerbe der Welt nachgehen, würde sie sehr gut in jeden x-beliebigen Slasher passen, um gleich als eines der ersten Opfer blutig zu enden. Wer würde so jemandem seine Kinder für einen Abend überlassen und das auch noch in den 1970ern, in denen der Film angeblich spielt?

© Dimension Films

Regisseur Andrew Douglas, der sonst nur Kurzfilme und Videoclips gedreht hatte, legt mit AMITYVILLE seinen bisher einzigen Spielfilm vor. Diese Unerfahrenheit, auch was das Horror-Genre angeht, zeigt sich überdeutlich in den schon angesprochenen Schwächen und Problemen des Films. An Hauptdarstellerin Melissa George habe ich hingegen sehr gute Erinnerungen, vor allem von ihren packenden Horrorfilmen TRIANGLE – DIE ANGST KOMMT IN WELLEN (2009), A LONELY PLACE TO DIE (2011), 30 DAYS OF NIGHT (2007) und natürlich in David Lynchs MULHOLLAND DRIVE (2001). Hier jedoch bleibt sie blass und kommt auch eher lustlos daher. Ihr Partner Ryan Reynolds, DEADPOOL (2016) und DEADPOOL 2 (2018), der mich lediglich im überragendem BURIED – LEBEND BEGRABEN (2010) überzeugen konnte, geizt mit seinem Können. Lediglich in einigen wenigen Szenen, wenn das Böse ihn übermannt, kann er kleinere glaubhafte Akzente setzen. Im Großen und Ganzen hat Regisseur Douglas den Film dazu benutzt, um seinen prominenten Hauptdarsteller Reynolds und dessen perfekt trainierten Körper in Szene zu setzen. Zumindest das ist ihm gelungen.

© Dimension Films

Fazit Original oder Remake?

Mit dieser Gegenüberstellung bestätigt sich zum wiederholten Male meine negative Meinung gegenüber Remakes. Vollkommen sinnbefreit und ohne jede Not werden billige Effekte eingesetzt und verwässern qualitativ eine spannende Story auf dem niedrigsten Level. Andrew Douglas zeigt uns überdeutlich, dass er keinerlei Gespür, weder für Spannung noch für Atmosphäre, hat. Stattdessen setzt er lieber auf Schockeffekte, die den Zuschauer bei der Stange halten sollen. Was bleibt, ist meine Verschwendung von Lebenszeit. Das nicht jeder etwas mit der langsamen Gangart des 1979er AMITYVILLE anfangen kann, gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit, ist mir durchaus bewusst, aber eine vollkommen spannungsfreie Aneinanderreihung von langweiligen Schockeffekten macht die Sache nicht besser. Wer also mehr auf Effekte und eine dünne Story steht, greift gerne zur 2005er Version. Alle anderen, die Grusel mit Stil und Klasse, einen Spannungsbogen der seinen Namen verdient suchen sowie eine düstere und unheimliche Atmosphäre möchten, greifen zum fantastischen Original.

© Stefan F.

Titel, Cast und CrewThe Amityville Horror (2005)
Poster
ReleaseKinostart: 21.04.2005

Seit dem 27.10.2017 auf Blu-ray
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RegisseurAndrew Douglas
Trailer
BesetzungRyan Reynolds (George Lutz)
Melissa George (Kathy Lutz)
Jesse James (Billy Lutz)
Jimmy Bennett (Michael Lutz)
Cloe Grace Moretz (Chelsea Lutz)
Philip Baker Hall (Father Callaway)
DrehbuchScott Kosar
Jay Anson
Sandor Stern
KameraPeter Lyons Collister
MusikSteve Jablonsky
SchnittRoger Barton
Christian Wagner
Filmlänge90 Minuten
FSKab 16 Jahren

[1] Frayling, Christopher: „Alpträume: die Ursprünge des Horrors“, vgs verlagsgesellschaft, Köln 1996, ISBN 3-8025-2303-2

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