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Ork – Buchreview

„Ein kulturgeschichtlicher Streifzug“

Jan Niklas Hochfeldt, bekannt durch Publikationen zu den Filmen von Robert Eggers, hat mit seinem neuen Buch einen kulturgeschichtlichen Streifzug (Untertitel) über die Herkunft, den Wandel und die Emanzipation eines der bekanntesten Wesen der Fantasy vorgelegt: den Ork.

Dabei skizziert Hochfeldt eine Geschichte der Orks vor, bei und nach ihrem „Erfinder“ J. R. R. Tolkien, der sich bei deren Konzeption an seinem Wissen als Mediävist orientierte und dessen Wirken auch zentral für die Studie ist (S. 10). Spätestens mit der Verfilmung von Tolkiens Ring-Trilogie durch Peter Jackson sind Orks im Mainstream angekommen (S. 8).

Historisch geht das Konzept eines guten Helden, der unzählige Orks tötet und dabei moralisch integer bleibt, auf die bis heute gängige Praxis zurück, dem Kriegsgegner die Menschlichkeit abzusprechen. Vor allem das mittelalterliche Europa nutzte diese Strategie: „Die Monster bedrohen von außen kommend die Grenzen des christlichen Europas“. (S. 13) Die „Dehumanisierung“ des Gegners, in diesem Fall berittene, „eurasische Steppennomaden“, findet sich bei Tolkiens Ork-Konzeption wieder (S. 26). Etymologisch geht der Begriff vermutlich auf „Orcus“ zurück, den römischen Gott der Unterwelt, der die Toten im Jenseits foltert. In Tolkiens berühmter Beowulf-Studie kommt der Begriff „orcnēas“ für ein böses Wesen vor (S. 26 f.). Eine weitere Grundlage für Tolkien waren nach dessen eigener Angabe Legenden über Goblins, wie sie von George MacDonald 1872 in THE PRINCESS AND THE GOBLIN beschrieben wurden – als nachtaktive, unterirdisch lebende Kobolde, die kein Sonnenlicht vertragen (S. 36 f.).

Zwischenzeitlich haben sich die Orks „von der gesichtslosen, anonymen Masse hin zu Protagonisten entwickelt“ (S. 9). Als Beispiele für eine „Emanzipation“ der Orks nennt Hochfeldt deren Darstellung in Fantasy-Rollenspielen (Das schwarze Auge), Tabletop-Spielen (Warhammer 40.000) oder Echtzeit-Strategie-Computerspielen (Warcraft: Orcs & Humans). Die Orks in dem Fantasyfilm WARCRAFT: THE BEGINNING (2016) „leben in einfachen Zelten oder Hütten, tragen Felle und schmücken sich mit den Trophäen erfolgreicher Jagden“: sie verweilen im Naturzustand im Sinne Rousseaus (S. 83 ff.). In der hochtechnologisierten Cyberpunk-Welt des Pen-and-Paper-Systems Shadowrun erscheinen Orks als marginalisierte Wesen, auf denen die selbst in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft lebenden Menschen mit Verachtung sehen – die Orks erschaffen daraufhin ihre „eigenen Refugien“ wie eigene Städte (S. 91-95).

Das Quellenverzeichnis ist übersichtlich gegliedert nach Belletristik, Filmen und Serien, Brett- und Rollenspielen, digitalen Spielen, antiken, frühmittelalterlichen und neuzeitlichen Quellen sowie umfangreicher Sekundärliteratur.

Im Fazit seines schmalen, sehr gut lesbaren Buches hält Hochfeldt selbst fest, dass „viele spannende Aspekte […] nur gestreift oder […] gar nicht thematisiert“ wurden (S. 100). Alleine die musikalische Rezeption von Orks würde vielleicht einen deutlich umfangreicheren Band füllen (kaum ein anderer Autor hat etwa Heavy Metal so inspiriert wie Tolkien). Ebenso verhält es sich mit anderen populären Fantasy-Reihen: Warum heißt ein maskierter Zauberer bei den Masters of the Universe Orko? Auch wäre es interessant, die Verwendung des Ork-Begriffes in der politischen Rhetorik zu untersuchen, vor allem, da ein wesentliches Resümee aus der Arbeit Hochfeldts ist, dass in der monströsen Darstellung seit Jahrhunderten das Ziel besteht, eine emotionale „Distanz zum Feind“ zu schaffen.

Vor allem als Einstieg in die Thematik ist Hochfeldts spannende Studie sehr zu empfehlen.

© Stefan Preis

  • Jan Niklas Hochfeldt
  • Ork. Ein kulturgeschichtlicher Streifzug
  • Essen: Oldib Verlag 2026
  • ISBN: 978-3-910869-22-6

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