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Backrooms (2026) – Filmkritik

Die 1990er erfreuen sich nach wie vor extremer Beliebtheit. Nicht nur modisch, musikalisch und popkulturell, sondern auch filmisch. BACKROOMS spielt am Anfang dieses Jahrzehnts im Jahr 1990. Neun Jahre später wird ein gewisses BLAIR WITCH PROJECT (1999) das Horrorgenre und die Prozesse der Filmproduktion ordentlich durcheinanderwirbeln. An diese Found-Footage-Mockumentary muss man unweigerlich bei BACKROOMS denken, wenn per Videokamera durch die surrealen Labyrinthe aus Gängen und Büroräumen gestaunt, gegruselt und gerannt wird. Man fragt sich ein bisschen, warum gerade dieses Jahrzehnt so beliebt geworden ist. Meiner Meinung nach liegt es an der Pre-Internetzeit. Kunst und Kultur bekamen hier mehr Authentizität. Daten benötigten ein physisches Medium und konnten nur so weitergegeben werden. Gefälschte visuelle Realitäten waren nicht leicht zu erstellen und in den rauschigen Halbbildern der Videos ließ sich so manch dunkle Kreatur verstecken. BACKROOMS ist aber vor allem ein psychologischer Thriller. Denn es geht hier symbolträchtig auch räumlich tief in die Psyche der beiden Hauptcharaktere hinein und dort ist wenig Schönes zu finden.

© Constantin Film

Handlung

Clark (Chiwetel Ejiofor) ist deprimiert. Der Architekt leitet ein schlecht laufendes Möbelhaus, ist Alkoholiker und wurde von seiner Frau rausgeworfen – obwohl er „für das Haus bezahlt“. Zumindest geht er zu einer Therapeutin: Dr. Mary Kline (Renate Reinsve). Doch sie scheint selbst noch traumatische Erlebnisse aus ihrer Kindheit zu verarbeiten. Clark findet eines Nachts einen Durchgang im Untergeschoss seines Ladens.
Dahinter verbirgt sich ein Irrweg aus Fluren, Räumen, Türen und seltsamen Gegenständen. Die Einrichtung erinnert an eine verlassene Bürofläche hat jedoch teilweise seltsame Winkel, unsinnige Zugänge oder Möbelstücke, die teilweise im Boden stecken. Er versucht das Labyrinth zu erkunden und zu kartografieren. Doch als er seine Angestellte Kat (Lukita Maxwell) und ihren Freund Bobby (Finn Bennett) mitnimmt, geht alles schief, denn sie sind nicht allein in diesem Irrgarten.

© Constantin Film

Der Grusel: Misserfolg im Leben

BACKROOMS von Kane Parsons, der auf seiner eigenen YouTube-Webserie beruht, basiert auf einer zeitgenössischen Internetsage von fremden Räumen, die in eine Art Parallelwelt führen. In der Kinoversion ist der Schrecken jedoch nicht die Angst, nie wieder dort herauszufinden oder dem zu begegnen, was dort lauert, sondern es ist Depression und Melancholie der beiden Hauptfiguren. Clark als gescheiterter Geschäftsmann, der seiner Partnerin nicht die Zeit eines Studiums gönnt und sich in seiner Position als Geldverdiener nicht wertgeschätzt fühlt. Dr. Mary Kline, die in ihrer Kindheit von ihrer paranoiden Mutter im eigenen Haus festgehalten wurde und es nie wegen den „Gefahren da draußen“ verlassen durfte. Ihr gelingt es nicht Clark zu therapieren und das eigene Leben scheint nur einen Wimpernschlag von einem Zusammenbruch entfernt zu sein, wenn keine Pillen im Schrank zu finden sind. Der eigentliche Horror ist hier also das Scheitern, das Scheitern an einer Karriere, am Lebenssinn und an zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Depression wird durch die triste Gestaltung der Innenräume verstärkt. In der Außen- wie in der Innenwelt dominieren Pastellfarben, billige Möbel ohne individuelle Persönlichkeit. Die Räume in der Außenwelt sehen aus wie ein AirBnB mit den schlechtesten Bewertungen. Wohlstand ist nicht zu erreichen, wie auch Weiterbildung oder Kultur. Die Natur fehlt gänzlich. Der traurige Alltag wird durch die Therapiesitzungen und den Leitfaden der Psychiaterin verstärkt. Man soll den sicheren Weg gehen und Routinen folgen. Die Neonröhren in den Deckenplatten summen und knacken zustimmend im Hintergrund.

© Constantin Film

Internet goes Hollywood

Es gibt ein paar Aspekte, die das Kinoerlebnis schmälern und das ist vor allem dem hauchdünnen Inhalt zuzuschieben. Außerdem ist der Regisseur noch am Anfang seiner Karriere, sein Talent ist auf jeden Fall nicht zu übersehen. BACKROOMS kommt mit gerade einmal vier Rollen aus, wobei zwei nur als Nebendarsteller und Mittel zur Darstellung von Gewalt sind. Die Protagonisten Clark und Mary sind sehr konstruiert und verschmelzen so gut wie gar nicht mit der Handlung – abgesehen von Marys Vergangenheit. Sie wirken wie zufällig in diesen Wahnsinn hineingeworfen. Aber da man den Figuren in der normalen Welt keinerlei Persönlichkeit gegeben hat, kann diese auch nicht in den Backrooms gespiegelt und verzerrt werden. Die zerschnittenen und veränderten Gegenstände, teils auch Gesichter, haben eher ästhetischen und abstrakten Charakter.

© Constantin Film

Die WTF-Momente wollen nur eins sein, möglichst abgedreht. Ob das am Ende zu einer Interpretation oder einer Deutung für einen selbst führt, ist scheinbar nicht gewollt. In BACKROOMS kommt hauptsächlich die Stimmung von Touristen in einem verrückten Escape Room auf. Und gerade beim Finale erkennt man wie dieses dünne Kartenhaus in sich zusammenbricht. Nach einer Verfolgungsjagd, ganz in Alptraummanier, wird diese Welt in die Science-Fiction überführt ohne weitere Erklärungen zu geben. Der Schlusspunkt ist ein typisch zynischer Cliffhanger, der eher in seinem Abbruch überrascht als mit seiner Aussage. Bei solchen Filmenden vor allem im Horrorgenre, denken die Filmemachenden immer einen großen Mindfuck-Coup gelandet zu haben, aber der Großteil des Publikums wird mit so etwas nie zufrieden sein.

© Constantin Film

Fazit

BACKROOMS versucht ein paar neue Wege im aktuell ausgetretenen Horrorgenre zu gehen. Die Produktion ist durch die Indie-Edelschmiede A24 gut besetzt und mit ausreichend Budget versehen. Zum Ende läuft der Film aber in eine zu bekannte Richtung und interessiert sich nicht im Geringsten für die eigene Interpretation. Am Ende bleibt ein Besuch in einer leerstehenden Gewerbefläche mit Gruselkabinett-Charakter.

© Christoph Müller

Titel, Cast und CrewBackrooms (2026)
Poster
Releaseab 18.06.2026 im Kino
RegieKane Parsons
Trailer
BesetzungChiwetel Ejiofor (Clark)
Renate Reinsve (Dr. Mary Kline)
Mark Duplass (Phil)
Finn Bennett (Bobby)
Lukita Maxwell (Kat)
Avan Jogia (Naren Warne)
Robert Bobroczkyi (Pirat Clark)
Krista Kosonen (Nora Kline)
DrehbuchBilly Wilder
I.A.L. Diamond
MusikEdo van Breemen
Kane Parsons
KameraJeremy Cox
SchnittGreg Ng
Filmlänge110 Minuten
FSKab 16 Jahren

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