„Rollenspiele“
Ein Klassiker, ein All-Time-Favorit, ein zeitloses Kunstwerk und ein Publikumsliebling, MANCHE MÖGEN’S HEISS verleitet zu vielen Superlativen. Man könnte auch sagen, es ist ein Film, den jeder mindestens gut findet und ein Großteil fantastisch. Heute ist Billy Wilders Erfolgsfilm, der Marilyn Monroes größter Erfolg war, kulturell auch sehr gut gealtert. Nicht nur Marilyn, die hier eine Gage von 10 % der Gewinnbeteiligung einstreichen konnte und somit ihre männlichen Kollegen Tony Curtis und Jack Lemmon trotz ihrer längeren Screen-Time übertrumpfte, zeigt Geschlechter-Demokratie, sondern auch das berühmte „Na und? Niemand ist vollkommen! Ende“ brachte eine Welle der Gleichberechtigungsgedanken in die 1960er Jahre. Die Screwball-Komödie mag vielleicht nicht allein die Sweet Sixties begründet haben, aber ein paar kleine Champagnergläser und ein kokettes Zwinkern der schönen Blonden darin hatten definitiv ihren Anteil. Der Film ist aber auch ein Lehrstück für ein gutes Komödiendrehbuch, und das wird dank der neuen UHD-Veröffentlichung mit brillantem Bild und sauberem Sound klar.

Handlung
Richtig heiß geht es zu Beginn nicht los, eher saukalt. Chicago Ende der 1920er Jahre, die Mafia verdient gut am illegalen Alkoholverkauf in den Wintertagen, der die Menschen zusammenbringt und wärmt. Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) sind freiberufliche Musiker und spielen an den Orten, wo der verbotene Tropfen gern ausgeschenkt wird. Als sie einen Auftragsmord als einzige Zeugen mit ansehen müssen, suchen sie das Weite, in ihrem Fall das warme Florida. Doch die Sache hat einen Haken. Es werden für die Stellenanzeige ausdrücklich eine SaxophonistIN und eine KontrabassistIN gesucht.

Sie müssen nicht lang überlegen und steigen lieber in Strumpfhosen als in das nächste Betonfundament. Aus ihnen werden Josephine und Daphne. Sie machen musikalisch wie auch schauspielerisch eine gute Figur, obwohl den beiden Junggesellen bei ihren ganzen Kolleginnen in der rein weiblichen Big Band immer wieder ganz heiß unter der Perücke wird. Die Flucht und das drohende Ableben sind ganz vergessen, als ihre Kollegin Sugar (Marilyn Monroe) die Bahnsteig-Bühne betritt. Sie singt nicht nur und spielt die Ukulele, sondern verdreht den beiden Männern kurvenreich den Kopf. Da ist es schwierig, in der weiblichen Rolle zu bleiben. Als Joe auch noch beschließt, sich als Millionärssohn mit Jacht auszugeben, weiß keiner mehr, wer wer ist.
Die andere Hälfte der Menschheit
Billy Wilder und sein lebenslanger Drehbuch- und Produzentenkollege I.A.L. Diamond nehmen sich die Genres Romanze und Gangsterfilm vor und peppen sie mit einer bissigen Screwball-Komödie auf. Schnelle Dialoge mit geschärftem Witz sind ein Markenzeichen. Grandios ist die Unterhaltung am Telefon von Joe in seiner Shell-CEO-Rolle, der gerade mit Sugar Schluss macht. Er müsse die Tochter aus einer anderen Unternehmerfamilie heiraten, damit Shell „fusionieren“ kann, denn es ist wichtig, das Richtige für die vielen „armen“ Shell-Aktionäre da draußen zu tun. Sugar antwortet, dass sie die Information gleich in Form eines Kaufs von tausend Shell-Aktien an ihren Broker weitergibt. Dann wäre da noch die großzügige Spende an die US-Milcherzeuger dank Sugars „Therapie“, Shell Junior wieder ein Liebesleben einzuhauchen. Eine clevere Umgehung des biederen Hays Code, der damals noch alles Sexuelle aus den Drehbüchern Hollywoods verbannt hatte. Die Fantasie des Publikums füllt die Leerstellen auf dem Boot der Zweisamkeit. Zwischendrin kommt es immer wieder zu pointierten Streitereien zwischen Jerry und Joe, wer mit Sugar Zeit verbringen will. Die Maskerade, die Travestie und der Rollentausch haben MANCHE MÖGEN’S HEISS über die Jahrzehnte einen Ehrenplatz in der queeren Community verschafft. Dass die Rolle der Sugar zu sehr am blonden, naiven Dummchen angelehnt ist, stört heute erheblich. Vor allem, wenn man weiß, wie die Hollywoodbranche mit ihren psychischen und neurologischen Krankheiten umging. Der Profit an der Kinokasse und in den Schlagzeilen der Boulevardpresse ging über alles, auch über Marilyns Gesundheit.

Spannend ist die Entwicklung der Rolle von Jack Lemmon. Lemmon spielt in seiner furiosen Knalligkeit geradezu alle an die Wand. Von seiner pessimistischen Art, dank der ärmlichen Situation, in der sie leben, geht es direkt zu einem rolligen Typen, der im Himmelbett voller blonder schöner Frauen gelandet ist. In den Szenen, wenn eine Party in seiner Schlafkabine im Zugabteil startet, mag er sich vielleicht noch anfangs gefreut haben, doch dann sind es ein paar lange Beine zu viel für ihn und er muss sich geschlagen geben. Die Erkenntnis, wie viele Männer und auch er die Frauen in dieser Zeit behandelt haben, kommt ihm in Form eines übergriffigen Osgood Fielding (Joe E. Brown), der ihm im Fahrstuhl an die Wäsche geht. Doch über die komplette Filmlänge geht Jerry in seiner Rolle als Daphne vollkommen auf. Die Freundschaft zu Sugar und der Tangoabend mit seinem lüsternen Verehrer verdrehen ihm gehörig den Kopf, und die Freude über den Heiratsantrag ist enorm. Joe muss ihn erheblich durchschütteln, damit er wieder zu „Sinnen“ kommt. Auch wenn Jerry seine innere Daphne gefunden haben mag, Ende der 1950er Jahre war eine homosexuelle Beziehung eine Straftat („Sodomy Laws“), die mit hohen Geld- und Gefängnisstrafen belegt wurde.

Drehbuch mit Edelsteinen
Wilder und Diamond verfilmten hier ihr Drehbuch mit knackigen Dialogen und einem tollen visuellen Narrativ. In den ersten Minuten mit der Verfolgungsjagd wird nicht gesprochen. Unsere beiden Hauptfiguren tauchen erst ganz unauffällig in Minute sieben in einer Band im Hintergrund auf, und Marilyn Monroe lässt sich erst ab Filmminute 25 (!) den heißen Dampf um die Beine schießen – ein kleiner Wink auf die berühmte Szene über dem U-Bahn-Tunnel in DAS VERFLIXTE 7. JAHR (1955). Ein gutes Drehbuch erkennt man auch in den geschickten Wiederholungen mit Relevanz – was übrigens die Coen-Brüder Jahre später in ihren Komödien noch auf die Spitze treiben werden. Wenn Wilder und Diamond auf die Einschusslöcher im Kontrabass von Jerry mit einem Witz aufmerksam machen, ist das viel mehr als nur ein Gag, um die Zeit zu überbrücken. Später verraten genau diese Löcher im Instrument, dass Joe und Jerry die Zeugen sind, die die Mafia sucht. Der Fahrstuhl wird zur Wandlungsmaschine: Männer gehen rein, Frauen gehen raus, Emotionen rauf und runter. Die Wärmflasche bleibt die wärmende Alkoholtherapie in der Schublade, und der Fetisch des kleinen Gangster-Bosses Colombo (George Raft) für weiße Gamaschen ist nicht nur Erkennungsmerkmal, sondern steht auch für die Travestie im organisierten Verbrechen. Warum lassen sie den Killer aus einer riesigen Torte springen, anstatt ihn direkt umzulegen? Vielleicht haben die italoamerikanischen Opernfreunde auch einen Hang fürs Showgeschäft.

Neu im Heimkino

Gestochen scharf und wie frisch aus dem Kopierwerk von 1959 erscheint MANCHE MÖGEN’S HEISS auf Ultra HD Blu-ray und Blu-ray im Mediabook bei Capelight Pictures. Die DVD kann mit Freude aus der Filmsammlung ersetzt werden und steht jetzt in toller Gesellschaft der Filmeditionen ZEUGIN DER ANKLAGE (1957) und DAS APPARTEMENT (1960). Es lohnt sich, hier zuzugreifen und diesen Evergreen ins Regal zu holen. Es gibt Interviews, ein Making-of, Rückblicke und Fotogalerien. Es sind so viele Extras, dass eine Bonus-Blu-ray beiliegt. Ein schönes, aber auch etwas kurzes Booklet mit einem Text von Kathrin Horster gibt noch einmal Einblick, wie sich der Film damals und heute seine Besonderheiten bewahrte.
Fazit
Falls man mal nicht weiß, was man schauen soll, kann man egal wann, egal wo und egal mit wem zu MANCHE MÖGEN’S HEISS greifen. Die Gangsterkomödie ist eine Blaupause für eine Welt, in der Liebe nicht an Rollen gebunden ist. Ein Gedanke, den wir uns 60 Jahre später immer noch in Erinnerung rufen müssen. Und hiermit macht es auch noch jede Menge Spaß.
| Titel, Cast und Crew | Manche mögen’s heiß (1959) OT: Some Like It Hot |
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| Poster | ![]() |
| Release | seit dem 30.04.2026 im 3-Disc Mediabook (Ultra HD Blu-ray + Blu-ray) und und DVD erhältlich. Direkt beim Label bestellen. |
| Regie | Billy Wilder |
| Trailer | |
| Besetzung | Marilyn Monroe (Sugar „Kane“ Kowalczyk) Tony Curtis (Joe / Josephine / Shell Junior) Jack Lemmon (Gerald „Jerry“ / Daphne) George Raft (Gamaschen-Colombo) Joe E. Brown (Osgood Fielding III.) Pat O’Brien (Detective Mulligan) Nehemiah Persoff (Der kleine Bonaparte) Joan Shawlee (Sweet Sue) Dave Barry (Mr. Bienstock) Billy Gray (Sig Poliakoff) George E. Stone (Zahnstocher-Charlie) Mike Mazurki (Colombos Handlanger) Harry Wilson (Colombos Handlanger) Barbara Drew (Nellie Weinmeyer) Al Breneman (Hotelpage) |
| Drehbuch | Billy Wilder I.A.L. Diamond |
| Musik | Adolph Deutsch Matty Malneck |
| Kamera | Charles Lang |
| Schnitt | Arthur P. Schmidt |
| Filmlänge | 122 Minuten |
| FSK | ab 16 Jahren |
Chefredakteur
Kann bei ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT mitsprechen / Liebt das Kino, aber nicht die Gäste / Hat seinen moralischen Kompass von Jean-Luc Picard erhalten / Soundtracks auf Vinyl-Sammler / Stellt sich gern die Regale mit Filmen voll und rahmt nur noch seine Filmposter


