The Villainess Ak-Neyeo Filmkritik

The Villainess (OT: Ak-Nyeo) – Filmkritik

Der Wille des Bösen!

Da war wieder der Moment im Kinosaal, wenn man weiß, dass es sich gelohnt hat am Sonntagabend nach der Arbeit sich noch aufgerafft zu haben und sich zum Lichtspielhaus seines Vertrauens zu begeben. Zugegeben, dieser Zeitpunkt war bereits nach fünf Minuten von The Villainess, als sich in der Ego-Shooter-Perspektive zwei Hände mit Messern bewaffnet durch ein Meer von Anzugträgern schnetzelten, ohne Filmschnitte, aber dafür mit einer irrsinnigen Kampfchoreographie. Als die Ego-Perspektive verlassen wird und wir den weiblichen Hauptcharakter kennenlernen, bedeutet das nicht, dass die Kamera wieder auf das Stativ geschraubt wird. Nein, sie fliegt wie eine wildgewordene Wespe um die Kämpfer herum, springt mit ihnen aus dem Fenster und dreht Loopings.
Willkommen im koreanischen Actionkino!

Killerin von Geburt an

Sook-hee, gespielt von der reizenden und knallharten Kim Ok-bin („Thirst“), ist eine Auftragskillerin, die seit Kindestagen als Killerin ausgebildet wurde und nun einer Killeragentur angehört, die ihr nach 10 Jahren Dienst ein „normales Leben“ versprochen hat. Der Ausstieg aus diesem Gewerbe ist bei einem fleißigen Naturtalent wie Sook-hee nicht einfach und die Agentur möchte natürlich sein bestes Pferd im Stall nicht so ohne Weiteres hergeben. In einem 0815-Actionfilm wäre das Ganze ziemlich geradlinig erzählt gewesen, aber in „The Villainess“ springt die Handlung munter durch die Vergangenheit der Killerin und kann mit jeder Menge Überraschungen und Intrigen, trotz weiter Strecken ohne Kämpfe, überzeugen. Das erfordert vom Zuschauer schon etwas Filmerfahrung im koreanischen Erzählkino. Diejenigen, die mit Zeitsprüngen in Filmen Probleme haben, sollen hiermit gewarnt sein. Wer aber eine Schwäche für komplexe Erzählstrukturen in Kombination mit feiner asiatischer Prügelkultur hat, wird hier einen seiner Lieblingsfilme finden.

  • The Villainess Ok-bin Kim © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA
  • The Villainess © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA
  • The Villainess © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA
  • The Villainess © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA
  • The Villainess © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA
  • The Villainess © 2017 NEXT ENTERTAINMENT WORLD & APEITDA

 

Es drängt sich, nach der Sicht des Trailers, der Vergleich zu  einer Mischung aus „Hardcore Henry“ (2015) und „Lady Vengeance“ (2005) auf. Doch so einfach ist es nicht. Denn „The Villainess“ konnte mich auch mit der autentisch inszenierten Liebesgeschichte zwischen Sook-hee und Hyun-soo (Ha-kyun Shin) überzeugen, was den gut geschriebenen Szenen des Drehbuchs zwischen beiden Figuren zu verdanken ist.
Die wilden Kamerafahrten (wohl eher Kameraflüge) sind durch viele Computeranimationen überhaupt erst möglich geworden, was mich in Form von digitalem Blut oder virtuellen Klingen leider ab und zu in die reale Welt zurückgeholt hat. Aber man muss auch bedenken, dass eine zehnminütige One-Take-Metzelei die Grenzen des Unmöglichen streift.  Abgerundet wird das Ganze mit einem lockeren, aber vorantreibenden Soundtrack und einer guten Prise Humor zu Beginn des Films. Die Komik fährt nach der ersten Hälfte zu Gunsten der Dramatik herunter. Unsere Heldin wird von allen Seiten nur ausgenutzt und es bleibt ihr nur der Weg nach vorn.

Ich empfehle „The Villainess“ allen Fans des koreanischen Actionkinos, die eine anspruchsvolle Erzählung schätzen und 30 Minuten ohne Ballerei aushalten. „Ak-Nyeo“ (Originaltitel) ist auch eine Metapher für die Rolle der Frau in unserer Gesellschaft und ist zugleich die irrsinnige Entstehungsgeschichte des weiblichen Bösen. Ich hoffe auf eine gelungenes Blu-ray Release von Splendid-Film.


Gesehen als Abschlussfilm des Fantasy Film Fest 2017 im koreanischen Original mit englischen Untertiteln.

 

 

Titel

The Villainess
Ak-Nyeo (Originaltitel)

Regisseur

Byung-gil Jung

Schauspieler

Ok-bin Kim (Sook-hee)
Ha-kyun Shin (Joong-sang)
Jun Sung (Hyun-soo)
Seo-hyeong Kim (Chief Kwon)

Trailer

Drehbuch

Byeong-sik Jung
Byung-gil Jung

Kamera

Jung-hun Park

Musik

Ja wan Koo

Schnitt

Sun-mi Heo
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