Emma Watson im Film The Circle

The Circle

Transparenz hat seinen Preis!

Mae ist jung, dynamisch, frisch von der Uni und in ihrem ersten Job viel zu unterfordert. Doch dann erhält sie Hilfe von ihrer ehemaligen Kommilitonin Annie, die ihr ein Bewerbungsgespräch bei dem erfolgreichen IT-Unternehmen Circle verschafft. Dort beginnt sie ihre Arbeit in der Costumer Experience – Übersetzung in uncool: Kundenberatung. Die spannende Welt des Circle fordert Mae anspruchsvoll und der neue Arbeitgeber versorgt seine „Circler“ mit vielen Freizeitaktivitäten und Partys am Abend – Zahnversicherung inklusive.

Das Unternehmen selbst hat auch sehr große Ambitionen und diese sind nicht geringer als die Welt zu verändern. Jegliche Informationen des Planeten und dessen Bewohner sollen gesammelt werden, um die ultimative Transparenz zu erreichen. Die Rechte auf Privatsphäre werden hierbei ignoriert. Alles unter dem Motto „Teilen ist Heilen“ oder das Extremum „Geheimnisse sind illegal“. Emma Watson spielt die ambitionierte Circle-Neue Mae und Tom Hanks (Bridge of Spies) gibt dem Circle sein Gesicht als CEO-Übervater.

Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bestseller von Dave Eggers (Kritik zum Buch). Das Buch ist natürlich viel reichhaltiger an Informationen über den Circle und kann sich auch viel mehr Zeit mit dem Ausbau der Charaktere lassen. Die Originalhandlung ist für den Film sehr sprunghaft gekürzt. Mae eilt förmlich von einer persönlichen Veränderung zur Nächsten. Es sind jedoch auch Ereignisse ausgelassen, die einfach überflüssig sind. Eine Beziehung mit einem überaus unangenehmen Kollegen und ein völlig sinnloser Figuren-Twist zum Ende des Buches sind vernünftigerweise gelöscht. Maes Ex-Freund Mercer (Ellar Coltrane), der den analogen Gegenpol zu den Ansichten des Circle verkörpert, ist im Film eindeutig zu kurz gekommen und wirkt eher wie ein scheues Frettchen, als eine intelligente, ernstzunehmende Persönlichkeit.

Der Hauptgrund, warum dieser Bestseller, mit spannendem Potential und kritischem Blick auf unsere digitale Welt, hier nicht funktioniert, ist dem Regisseur James Ponsoldt anzukreiden. Mit seinem Film The End of the Tour hat er dem Schriftstellergenie David Foster Wallace ein überzeugendes filmisches Denkmal gesetzt, ist jedoch bei diesem Projekt leider gescheitert. Vielleicht hat die Zusammenarbeit mit dem Buchautor am Drehbuch nicht funktioniert oder das recht niedrige Produktionsbudget wurde von den Gagen der Hauptdarsteller geschluckt.

Das Grundproblem des Films ist, dass die technische Inszenierung mit diesem sehr spannenden Unternehmen Circle in keinster Weise mithalten kann. Der Circle steht für coole Innovationen, hippe Projekte, viel Stil und einen technischen Vorsprung gegenüber dem Rest der Welt. Die Soft- wie auch die Hardware des filmischen Circle sind weder funktional noch im Design wegweisend. Die Tools wirken wie auf Krampf von Microsoft oder Apple abgegrenzt. Hier wäre wesentlich mehr Fleiß angebracht, der Zuschauer lässt sich nicht gerne billige Illusionen unterjubeln.

Nach der ersten Hälfte drängt sich auch der Gedanke auf, ob vielleicht eine Miniserie mit 10 Folgen sinnvoller gewesen wäre. So hätten die durchaus interessanten Protagonisten viel besser herausgearbeitet werden können. Eine Diskussion über den Sinn der vielen verrückten und fragwürdigen Projekte mit der totalen Transparenz der Menschheit hätte ebenfalls geführt werden können.

Mit den schnellen, aber gehaltlosen Dialogen, stellt sich Langeweile ein und wir wünschen uns, Tom Hanks die Tasse aus der Hand schlagen zu können, die er ständig, um geschäftig zu wirken, mit sich herumträgt. Leider ist diese gescheiterte Filmübersetzung auch die letzte schauspielerische Arbeit von Bill Paxton (im Februar 2017 bei einer Herz-OP verstorben), der den an MS erkrankten Vater von Mae überzeugend und gefühlvoll zeigt.

Das Filmende verabschiedet sich dann auch noch komplett von der Buchvorlage, welche dem Produzenten sicherlich viel zu pessimistisch gewesen ist. Dem Zuschauer jedoch so ein Larifari – jetzt haben wir euch ertappt – mit was auch immer -Ende zu kredenzen zeigt, dass man seine Konsumenten einfach unterschätzt. Das Buch ist sicherlich kein literarischer Meilenstein, aber es hat immerhin kreative Willenskraft bewiesen. Von der Verfilmung kann man das leider nicht behaupten.

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