Bud Spencer, Schauspieler, am Ruder

Sie nannten ihn Spencer – Filmkritik

„Der schlägt ’ne Kelle, dafür braucht er eigentlich ’nen Waffenschein“

Diese Ansage kommt von Bud Spencer, genauer gesagt von Carlo Pedersoli und wenn man es noch genauer nimmt, von der deutschen Synchronstimme Wolfgang Hess. Das sind eine Menge Persönlichkeiten, die auf das Idol und die Kultfigur Bud Spencer Einfluss haben. Neben dem typisch neapolitanischen Charakter Pedersolis sind Terence Hill mit seinen himmelblauen Augen, ein ideenreiches Synchronstudio, der neu angestrichene Italowestern und verregnete Sonntagnachmittage weitere Bestandteile der Kultfigur Bud Spencer.

2016 ist der Schauspieler, Erfinder, Unternehmer, Profischwimmer und Lebemann Carlo Pedersoli im stolzen Alter von 86 Jahren verstorben. Vorher veröffentlichte er noch seine Biografie, die locker für fünf Leben gereicht hätte und die Fans strömten aus allen Ecken der Welt, um sich ein Autogramm von ihrem Idol zu holen, das seit den 50er Jahren in Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ (1972), „Banana Joe“ (1981) oder „Zwei wie Pech und Schwefel“ (1974) die Hauptrolle spielte.

Karl-Martin Pold, schon immer ein Fan des imposanten Riesen, hatte das Gefühl, er muss seinem Helden ein filmisches Denkmal setzen. So etwas geht heutzutage längst nicht mehr ohne Hilfe, sei es finanzieller oder auch physischer Art. Aber die Fangemeinde von Bud ist einfach riesig und ungemein herzlich, sodass nach 8 Jahren harter Arbeit das Filmprojekt nun in die Kinos kommt.

„Sie nannten ihn Spencer“ spielt zu Beginn wunderbar mit der Erwartung eine trockene Dokumentation zu sehen, gefüllt mit langweiligen Erinnerungen ehemaliger Freunde. Aber nach drei Minuten gibt der Regisseur „etwas Glut in die Zwiebeln“ und eine schwungvolle Geschichte beginnt. Pold konnte zwei interessante Bud-Spencer-Fans für sein Portrait gewinnen, die ihren Helden endlich einmal treffen wollen. Das Ergebnis ist ein Roadmovie mit allen Zutaten. Jorgo, von Geburt an blind, ist ein riesen Fan und kennt nicht nur die Texte der Filme auswendig. Marcus hat ebenfalls alles gesammelt, was es ausmacht ein Bud-Spencer-Nerd zu sein. Die Beiden steigen in Marcus‘ alten VW-Bus und machen sich auf die Suche nach Carlo Pedersoli, was nicht leicht ist und jede Menge interessante Persönlichkeiten aus dem alten Dunstkreis des Dampfhammers zu Tage fördert.

Marcus und Jorgo funktionieren als Team wie die Faust aufs Auge. Es macht einfach Spaß, den Beiden bei ihrer Reise zuzusehen und wie sie sich gegenseitig die alten Film-Kalauer um die Ohren hauen. Das Abenteuer wird mit knackigen Szenen aus der reichhaltigen Filmauswahl perfekt gewürzt. Die recht lange Dokumentation (125 min) wird nie langweilig und das Grinsen bleibt dem Zuschauer permanent im Gesicht sitzen. Eine Fülle an bekannten deutschen Synchronstimmen haucht den vielen Interviewpartnern vertrautes Leben ein. Allen voran der Erzähler Thomas Danneberg, Synchronsprecher von Terence Hill. Ein besonderes Lob muss dem Produktionsteam ausgesprochen werden, nicht nur für diese ehrliche Arbeit, sondern auch dafür, dass sie die vielfältigen Songs der Oliver Onions für den Soundtrack bekommen haben (Tarantino wird neidisch sein …).

Es ist eine tolle Reise für alle, die Bud Spencer im Herzen tragen und sich nach vielen Jahren immer noch bei seinen Filmen schlapp lachen können. Dokumentationen müssen nicht immer gesellschaftskritisch sein oder das Bewusstsein verändern. Ab und zu brauchen wir auch einmal ein paar erholsame Stunden auf dem Sofa und jede Menge Doppelpackpfeifen, durchgeknallte Sprüche und die Gewissheit, dass das Gute immer siegt.

Cast und Crew

Planet der Affen: Survival (2017)
OT: War for the Planet of the Apes

Veröffentlichung Deutschland

ab 27.07.2017 im Kino

Regisseur

Karl-Martin Pold

Schauspieler

Marcus Zölch
Jorgo Papasoglou
Terence Hill
Bud Spencer

Trailer

Drehbuch

Karl-Martin Pold

Kamera

Jens Fischer
Sarafin Spitzer

Musik

Markus Pöchinger (additional music)

Schnitt

Thomas Vondrak
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