Mediabook Schlock Blu-Ray Turbine Fluxkompensator

Schlock – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Ein Schlocker der Spitzenklasse“

Terror! Der Bananenmörder geht um! Hunderte Menschen mussten nun schon dran glauben und jedes Mal hinterließ der Killer unzählige Bananenschalen am Tatort – daher sein Name. Die (völlig unfähige) Polizei tappt im Dunkeln, Fernsehreporter Joe Putzman berichtet live vor Ort. Einzig Professor Shilbovitz weiß, was hier vor sich geht: Er ist sich sicher, dass der „Schlockthropus“, das fehlende Glied in der Evolution des Menschen, verantwortlich für den ganzen Schlamassel ist. Aber leider entkommt der Schlock. Das Grauen nimmt seinen Lauf und unaufhaltsam nascht er Torte und Eis, wirft Menschen durch die Gegend, macht Sachen kaputt, schlockt sich ins Kino und vor allem an die blinde Mindy, welche kurz vor ihrer Augen-OP steht. Die Nerven liegen blank. Kann diese prähistorische Kreatur noch gestoppt werden?


© 2018 Turbine Classics GmbH

Machen wir es kurz: „Schlock“ ist schlecht.

Aber halt! Das im Jahre 1971 gedrehte Erstlingswerk von Regisseur John Landis (damals noch im zarten Alter von 21 Jahren!), welcher in den folgenden Jahren mit Filmen wie „Animal House“ (1978), „The Blues Brothers“ (1980), „An American Werewolf in London“ (1981) oder dem Musikvideo zu Michael Jacksons „Thriller“ (1983) noch beachtliche Erfolge feiern sollte, ist ganz bewusst als „Mist“ (umgangssprachlich im Amerikanischen: „schlock“) konzipiert und tatsächlich auch nicht frei von einem gewissen Unterhaltungswert. Inspiriert wurde Landis, als er einst den britischen Monsteraffen-Film „Trog“ (1969) in einer Kinovorstellung  zu sehen bekam und über die in seinen Augen miese Produktionsqualität des Films amüsiert war. Somit stellt „Schlock“ also im Herzen eine Parodie auf die billigen Monsterfilme aus vergangenen Zeiten dar, welche damals die Bahnhofs- und Autokinos bevölkerten. Sollte man je den „Angriff der Killertomaten“ (1978) gesehen haben, so erhält man einen guten Eindruck davon, was einen hier erwarten wird. Entgegen seinem potenziellen „Trash-Faktor“ ist der Film dennoch sehr sauber produziert: Es gibt keine (unabsichtlichen) Schnittfehler, keine dilettantischen Kameraeinstellungen und besonderes Lob muss man hier vor allem dem von Rick Baker (American Werewolf) geschaffenen Affenkostüm aussprechen. Obwohl quasi kein Budget zur Verfügung stand (ca. 60.000 Dollar), schaffte es Baker mit geringsten Mitteln (die Maskenteile backte er im Ofen seiner Mutter) hier sehr gute Arbeit abzuliefern. Wo ein billiges Kostüm in der Darstellung eingeschränkt hätte, da erlaubt die Maske des Schlock John Landis – welcher sich hier selbst „zum Affen macht“ –  die  Figur vor allem durch seine Mimik mit Leben zu füllen und aus ihr einen richtigen Charakter, statt einem bloßen Ungeheuer zu machen. Für den geneigten Filmfan gibt es hier auch einiges an Referenzen zu entdecken: Sei es nun ziemlich offensichtlich der „King Kong“ (1933), „Frankenstein“ (1931), oder auch „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968). Man muss sich aber auch bewusst sein, dass „Schlock“ zwar durchaus zu unterhalten vermag, er aufgrund seiner speziellen Art von Humor, seiner bewusst „schlechten“ Machart und auch der Tatsache, dass er ganz klar ein Produkt seiner Zeit ist, die Meinungen extremst spalten wird und sicher nichts für Jedermann ist. Der Film ist wirklich sehr langsam erzählt und der Humor voll von Slapstick und dadaistischen Elementen. Wer den „Kentucky Fried Movie“ (1977, ebenfalls von Landis) komisch fand, der wird sicherlich auch hier etwas zum Lachen finden, wenn auch mit einer wesentlich geringeren Gagdichte. Für alle anderen dürfte die gezeigte Affenshow aber ziemlich Banane sein.


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Das Mediabook von Turbine

Ganz und gar nicht Banane ist allerdings die Mediabook-Veröffentlichung von Turbine Media, welche den Film sogar als neue 4K-Abtastung und zudem weltweit erstmalig auf Blu-ray präsentiert. Diese sieht in Anbetracht des Alters wirklich sehr gut aus, wirkt hin und wieder vielleicht etwas weich, bietet aber allgemein ein scharfes und kontrastreiches Bild. Eine Besonderheit stellt die DVD des Mediabooks dar: Anstatt hier den exakt gleichen Film draufzupressen, befindet sich die Open Matte Fassung auf dieser Scheibe. Somit kann man als Zuschauer selbst entscheiden, ob man den Film lieber hochauflösend und im breiten Vollbild oder aber in SD und 4:3 mit entsprechenden Balken an den Seiten, dafür aber einem größeren Bildausschnitt genießen möchte. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in sauberem und klar verständlichem Mono vor.
Das Mediabook selbst ist stabil und von der Gestaltung angenehm schlicht. Hauptsächlich in Weiß gehalten, ziert das Cover und den Rücken je nur ein gezeichnetes Motiv, im Innenteil gibt es zwei Stills vom Titelmonster zu sehen.

Schlock Mediabook Cover Turbine
© 2018 Turbine Classics GmbH

Bonusmaterial Mediabook

Als Bonusmaterial bekommt man unter anderem einen recht ausführlichen (zweisprachigen!) Buchteil inmitten des Mediabooks, welcher Texte von Filmwissenschaftler Dr. Rolf Giesen und Ingo Strecker enthält. Gerade der vom Letztgenannten kurze Abriss über die Tradition des Affenfilms ist doch sehr interessant und informativ. Auf den Scheiben selbst werden wir direkt nach dem Einlegen in den Player von John Landis persönlich begrüßt, welcher uns sein Beileid dafür ausspricht, dass wir nun seinen Film sehen werden. Darüber hinaus gibt es amerikanische Radiospots sowie mehrere deutsche und US-Trailer zum Film zu sehen, welche sich inhaltlich aber kaum voneinander unterscheiden. Den amerikanischen Trailer unter dem Titel „Banana Monster“ gibt es zudem mit einem Audiokommentar von Landis. Apropos Audiokommentar: Hiervon bietet der Hauptfilm einem zwei, eigentlich sogar drei Optionen. Zum einen gibt es einen untertitelten Kommentar von John Landis und Rick Baker, in dem beide etwas aus dem Nähkästchen plaudern. Zum anderen wäre da noch ein deutschsprachiger Kommentar mit den Podcastern Torsten Sträter, Hennes Bender und Gerry Streberg, welcher sowohl als reine Tonspur, als auch als Videokommentar vorliegt. Leider ist dieser nicht sehr informativ ausgefallen, da ist man über die Jahre an deutschsprachigen Audiokommentaren schon weitaus Besseres von Herren wie Stiglegger oder auch Buttgereit gewohnt gewesen. Als Hidden Feature bekommt man noch ein kurzes Interview mit Kameramann Bob Collins (allzu schwer ist dieses nicht zu finden, keine Sorge), aber das eigentliche Herzstück des Bonusmaterials bildet ein von Turbine extra für diese Veröffentlichung produziertes Interview mit John Landis. In satten 40 Minuten zeigt sich der Regisseur hier von seiner ganzen charmant lustigen Seite, erzählt von seinen Anfängen im Filmgeschäft und natürlich auch über die Produktion von „Schlock“.

Fazit

„Schlock“ ist schon ein sehr spezieller Film, der nicht jedem gefallen wird. Wer auf sehr skurrilen Humor, B-Monsterfilme vergangener Tage oder die weiteren Werke von John Landis steht, kann hier gerne einen Blick riskieren. Toll gelungen ist die Veröffentlichung durch Turbine Media, welche den Film weltweit erstmalig auf Blu-ray präsentiert. Obwohl es sich hier um einen absoluten Nischenfilm handelt, hat man in enger Zusammenarbeit mit dem Regisseur ein Produkt geschaffen, das dem Film mehr als gerecht wird und ihn so nun vielleicht sogar einem größeren Publikum erschließen wird.

Titel

Schlock - Das Bananenmoster (1973)
OT: Schlock

Regisseur

John Landis

Poster

Schlock Kinoposter

Veröffentlichung

Limited Edition im Mediabook (Blu-ray und DVD) von Turbine - Im Rakete shop kaufen

Auflage Mediabook

2.000 Stück

Schauspieler

John Landis (Schlock)
Saul Kahan (Detective Sgt. Wino)
Joseph Piantadosi (Ivan)
Eliza Roberts (Mindy Binerman)
Tom Alvich (Torn Cop)

Trailer

Drehbuch

John Landis

Kamera

Robert E. Collins

Musik

David Gibson

Schnitt

George Folsey Jr.

Technische Daten der Blu-ray

Ton: Deutsch und Englisch - DTS-HD Master Audio 2.0 (mono)
Bild: 1,78:1 (1080p)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Laufzeit: 79 min + ca. 60 min Bonusmaterial
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