Runaway Train Jon Voight Filmkritik Fluxkompensator

Runaway Train (1985) Filmkritik & Review zum Mediabook

Alles Einsteigen!

Das Thema „Gefängnisausbruch“ wurde schon oft in Filmen behandelt. Meist geht es darum, aus einer unüberwindbaren Haftanstalt zu fliehen. Die Protagonisten sind zu Unrecht verurteilt oder müssen in der Welt jenseits der Mauern etwas tun, was einen Ausbruch rechtfertigt. „Runaway Train“ (1985) ist gut 30 Jahre alt und bedient keine der üblichen Erzählperspektiven. Es ist ein Film, wie ich ihn noch nie gesehen habe, mit vielen Tonnen Stahl und über 1000 PS auf dem Kessel.

Inhalt

Manny (Jon Voight) ist seit drei Jahren in Einzelhaft gesperrt, weil der Gefängnisdirektor Warden Ranken (John P. Ryan) an schwierigen Insassen ein Exempel statuieren muss. Eine ganz besondere Art von Rivalität ist zwischen beiden entstanden. Manny ist nicht nur von der gewalttätigen Sorte, sondern verfügt auch über genügend Grips und ist bereits einmal ausgebrochen. Er ist eine Gefahr für den Gehorsam des ganzen Zellentrakts. Deswegen hat Warden Ranken Manny in Einzelhaft verwahrt und schreckt auch vor einem Auftragsmord nicht zurück. Das Gefängnis befindet sich in den kalten Tiefen von Alaska und stellt bei der es umgebenden, lebensfeindlichen Schneewüste, das kleinste Hindernis dar. Manny schafft zusammen mit Buck (Eric Roberts) den Ausbruch und überlebt die eisige Wildnis bis zu einem rettenden Güterbahnhof. Dort gelangen sie auf einen Zug, der aus vier Dieselloks besteht. Durch einen Unfall des Lokführers wird es jedoch zu einem rasenden Geisterzug, auf dem die beiden Entflohenen festsitzen.


© Capelight Pictures

Arthaus trifft Actionkino

Der Film entwickelt sich in eine erstaunliche Richtung und beeindruckt nicht nur durch seine handfeste Action, sondern auch durch seine Schauspieler. Eric Roberts spielt einen flippigen, gut gebauten, jungen Vergewaltiger, der Manny anhimmelt und dafür nur wilde Monologe von ihm kassiert. John Voight spielt den entflohenen Knasti Oscar „Manny“ Manheim stark körperbetont und zügellos wild. Er ist nach drei Jahren Einzelhaft endlich wieder in einem Raum, der größer als fünf Quadratmeter ist. Die Freiheit währt nicht lang und Manny muss nach seiner Flucht feststellen, dass er in einem kleinen Führerhaus festsitzt, das mit 70 Meilen die Stunde auf eine unwiderrufliche Katastrophe zurast. Bei dieser einfachen, aber effizienten Geschichte überrascht es kaum, den Namen Akira Kurosawa als Verantwortlichen für das Drehbuch zu lesen.


© Capelight Pictures

Handgemachte Action

„Runaway Train“ beeindruckt neben ungewöhnlichen Hauptfiguren auch durch die Bilder von Regisseur Andrei Konchalovsky. In einem Filmzeitalter, als Computer nur grobe graue Kästen mit blinkenden Lichtern waren, mussten schon echte Diesellokomotiven für den Filmdreh herhalten. Das arktische Klima und das nicht zu bändigende Stahlmonster auf Schiene kommen kraftvoll und realitätsnah zur Geltung. Stuntmen müssen hier noch bei voller Fahrt und Schneestürmen über Lokomotiven klettern. Es sind Menschen, die ihre Gesundheit riskieren und keine Pixel und Bytes, wie es heute üblich ist. Ab und zu lässt sich jedoch etwas Modellbau als Mittel zum Zweck erahnen. Der Film ist aber so temporeich geschnitten, dass sie handgebauten Effekte kaum auffallen. Ein Making-of zum Film wäre äußerst interessant gewesen, ist aber leider nicht produziert worden.


© Capelight Pictures

Mediabook von Capelight

Es gibt „Runaway Train“ auf DVD und im limitierten 2-Disc-Mediabook von Capelight Pictures. Das gemalte Schneemotiv des Mediabooks passt optisch am Besten zum Film. Capelight (Releases von „Oldboy“, „Colors“) hat sich sogar bei der Oberfläche etwas Besonderes einfallen lassen: Ein „partieller Spot Mountain Lack“, der ist eine Mischung aus rauer und glatter Textur. Dadurch vermittelt es den Eindruck von Frost oder rauem Stahl. Der Film ist im Mediabook auf DVD und Blu-ray enthalten. Das Bild ist ordentlich restauriert worden. Beim Intro des MGM Studios kann man dennoch ein paar Staubflecken sehen, was aber auch dem Charme alter Filme weiterhilft. Die Kontraste sind gut gelungen, aber um ehrlich zu sein, bei permanenten Schneetreiben und diffusem Licht werden die Extreme nicht ausgelotet. Ich habe die deutsche Synchronisation als Ton gewählt. Diese hat durchweg eine gute Dynamik und bei Mannys Schauspiel vergisst man schnell, dass er von Manfred Lehmann gesprochen wird (deutsche Synchronstimme u. a. Bruce Willis und Kurt Russell). Die Extras umfassen Interviews von Andrei Konchalovsky, Jon Voight, Eric Roberts und Kyle T. Heffner, die sich durchaus lohnen. Persönliches Highlight für mich selbst, war jedoch das 24-seitige Booklet, welches mit wirklich interessanten Details zum Film und der Produktion aufwartet. Hierdurch ist der Begriff Mediabook wirklich gerechtfertigt.

Es ist wieder eine tolle Reise mit Capelight Pictures in die Filmgeschichte der 80er Jahre. „Runaway Train“ ist kultiges Actionkino im Mad-Max-Look, aber auch mit einer anspruchsvollen Geschichte und tollen Darstellern. Ein Zugticket bitte, ohne Rückfahrt!

Titel

Runaway Train - Express in die Hölle (1985)

Regisseur

Andrei Konchalovsky

Poster

Schauspieler

John Voight (Oscar 'Manny' Manheim)
Eric Roberts (Buck McGeehy)
Rebecca De Mornay (Sara)
Kyle T. Heffner (Frank Barstow)
John P. Ryan (Warden Ranken)

Trailer

Drehbuch

Akira Kurosawa
Djordje Milicevic
Paul Zindel
Edward Bunker

Kamera

Alan Hume

Musik

Trevor Jones

Schnitt

Henry Richardson

Technische Daten der Blu-ray

Ton: DTS-HD Audio 5.1 Deutsch, PCM 2.0 Englisch
Bild: 1,85:1 (1080p)
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 111 min
Typ: BD 50
Regionalcode: B
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