Red Sparrow Jennifer Lawrence Joel Edgerton

Red Sparrow – Filmkritik

„Russische Spionin sucht …“

Die #metoo-Debatte beschäftigt Hollywood noch immer. Die letzten schaurigen Geschichten, was Frauen und Knaben in der Vergangenheit für eine Filmrolle tun mussten, werden in den Medien nach wie vor detailliert auseinandergenommen. Es ist traurig zu erwähnen, dass bereits eine gewisse Sättigung zu diesem Thema bei den Lesern und Zuschauern eingetreten ist. Was sehr schade ist, da altbackene Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau immer noch mit viel Unrecht tagtäglich ausgenutzt werden. Da hilft es auch nicht auf aktuellen Film-Festivals und Premieren in schlichter schwarzer Kleidung aufzutreten. Eine willkommene Ablenkung hingegen hat Jennifer Lawrence zur Premiere von „Red Sparrow“ geliefert. Während die Herren auf Grund der sehr frischen Temperaturen in Mantel und Schal in die Menge gewunken haben, hatte Jennifer Lawrence ihr tiefausgeschnittenes Versace-Kleid für fünf (!) Minuten den Fotografen und Fans präsentiert. Die Boulevard-Presse hatte sofort einen Skandal gewittert und ist munter über das „bisschen Stoff“ hergezogen. Ein trockener und gut gemeinter Rat von Lawrence auf Facebook war die Antwort: „Kriegt Euch wieder ein!“.

Im Hinblick auf diese Diskussion lohnt es sich, einen genauen Blick auf „Red Sparrow“ zu werfen, denn hier gibt es nicht nur viel nackte Jennifer Lawrence zu sehen, sondern auch jede Menge Gewalt, um die Verhältnisse der Geschlechter neu zu verhandeln.


© 2017 Twentieth Century Fox

Inhalt „Red Sparrow“

Der berühmten Balletttänzerin Dominika Egorova, gespielt von Jennifer Lawrence („Tribute von Panem“, „Silver Linings“), wird durch einen Fehler ihres Tanzpartners das Bein gebrochen. Dieser Unfall kostet sie ihre Tanzkarriere. Da es in Russland mit der Versorgung von behinderten Menschen, wie ihre Mutter es ist, sehr schlecht steht, braucht sie finanzielle Unterstützung. Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts), Vizepräsident des russischen Geheimdiensts, verschafft ihr einen Job und garantiert dadurch die Betreuung der Mutter. Dominika muss hierfür aber eine ganz besondere Ausbildung über sich ergehen lassen. Sie lernt, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und selbst zu dem zu werden, was sie wollen. Als Spionin setzt sie ihre femininen Reize anstatt Feuerwaffen ein, um so an die gewünschten Informationen zu kommen. Ihr erster Auftrag wird der CIA-Agent Nate Nash, gespielt von Joel Edgerton („Bright“, „Black Mass“) sein.

Sex und Gewalt

Diese beiden Bestandteile werden in den Medien als Verkaufsargumente angebracht und bei „Red Sparrow“ in großer Menge, in das auf Spionage-Wissen fundierte Buch von Jason Matthews, hineingepresst. Somit wurde aus einem spannenden Spionagethriller mit Themen über Doppelagenten, Informationsbeschaffung, Maulwürfe und Kalte Krieg-Politik mehr Augenmerk auf nackte Haut und Brutalität gelegt. Sicherlich ist es im härter werdenden Wettstreit, wer die brutalsten Folterszenen inszenieren kann, schwierig mitzuhalten. Aber warum der Regisseur Francis Lawrence (nicht verwandt mit der Hauptdarstellerin) bei „Red Sparrow“ neue Superlativen fürs Mainstream-Kino setzen muss, ist fraglich und macht den Film zu keiner Empfehlung für sensible Gemüter.
Mit Gewalt kommt man nicht immer an alle Informationen und deswegen wurden die „Sparrows“ (Spatzen) ins russische Agentenleben gerufen. Ihre Verführungsfähigkeiten haben das Ziel, an alle Daten heranzukommen und die Deckung der Zielpersonen fallen zu lassen. Der Ruf dieser Einheit verkommt zu Frauen mit „magischen Geschlechtsorganen“ und wird zur Projektionsfläche für die dunkelsten Männerfantasien. Und davon gibt es in diesem Film reichlich, denn alle männlichen Rollen sind Schweine, treiben sich in Striptease-Bars herum, schauen zu viele Pornos oder erpressen die weiblichen Kolleginnen. Abgesehen von dem amerikanischen Agenten Nate Nash, den der talentierte Joel Edgerton äußerst sympathisch darstellt. Da jedoch alle anderen Figuren in diesem politischen Katz und Maus-Spiel keine Skrupel oder Gewissen kennen, wirkt Nash zu schwach für das ganze Szenario. Der Grund dafür ist es die femme fatale weiter in den Mittelpunkt zu rücken: Jennifer Lawrence.


© 2017 Twentieth Century Fox

Schönheit im falschen Zusammenhang

Jennifer Lawrence macht für ihre steile Karriere in jungen Jahren einen sehr guten Job. Eine interessante Mischung aus Mainstream und anspruchsvollen Geschichten kann sie in ihrer Filmografie aufweisen. Außerdem ist sie sich ihrer Vorbildfunktion für viele Mädchen und Frauen bewusst und magert ihren Körper nicht bis auf die Knochen ab, nur um mit dem abstrakten weiblichen Idealen der Modewelt mithalten zu können. In „Red Sparrow“ wird sie von der Kamera gekonnt in Szene gesetzt und das schöne Setting mit interessantem russischen Interieur und Design gibt ihr den perfekten Rahmen. Sie ist für eine neue Agentin etwas zu gut angezogen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Was jedoch sehr stört, ist der fehlende Einsatz ihres Körpers um der Sinnlichkeits Willen. Es ist schwierig, in diesem ekligem Männerszenario zu glänzen, aber selbst in einer Liebesszene zwischen ihr und Edgerton kommen weder auf der Leinwand noch im Publikum Gefühle auf.

Fazit

„Red Sparrow“ hat einen spannenden Agenten-Thriller in guter alter Kalter Kriegs-Manier zu bieten, verhebt sich jedoch an zu viel schlechtem Sex und brutaler Gewalt. Mehr Sinnlichkeit hätte dem Film sicher gut getan und dann würde das Filmende auch seine Zuschauer berühren. Zumindest hat es einen Filmkritiker nach der Pressevorstellung begeistert. Mit einem Daumen nach oben meinte er nur „Super Film! Gewalt und Erotik, alles dabei“. Wer Gewalt sehen möchte, kommt hier auf seine Kosten. Bei Erotik wird der Film jedoch nicht mit einer Sharon Stone in „Basic Instinct“ (1992) oder einer Kim Basinger in „L.A. Confidential“ (1997) mithalten können, da waren auch alle Männer im Kinosaal bedingungslos der Hauptdarstellerin ausgeliefert.

Titel, Cast und Crew

Red Sparrow (2018)

Poster

Kinostart/
Veröffentlichung

01.03.2018

Regisseur

Francis Lawrence

Trailer

Schauspieler

Jennifer Lawrence (Dominika Egorova)
Joel Edgerton (Nate Nash)
Matthias Schoenaerts (Vanya Egorov)
Charlotte Rampling (Matron)
Jeremy Irons (General Korchnoi)
Mary-Louise Parker (Stephanie Boucher)
Ciarán Hinds (Zakharov)

Drehbuch

Justin Haythe

Romanvorlage

Nach dem Buch „Red Sparrow“ von Jason Matthews

Kamera

Jo Willems

Musik

James Newton Howard

Schnitt

Alan Edward Bell

Filmlänge

139 Minuten

FSK

ab 16 Jahren

 

 

 

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