Professor Marston und Wonder Woman Luke Evans Filmkritik

Professor Marston und Wonder Woman (2017) – Filmkritik

„Die Ausstrahlung starker Frauen“

Was ich an filmischen Biografien (Biopics) gut finde ist, dass man aufbereitetes Wissen hübsch kredenzt bekommt: Mit schönen Menschen besetzt, in lichtdurchfluteten Bildern erzählt und mit einer menschlichen Perspektive auf eine interessante, einflussreiche Person. Dass hinter der Superhelden-Figur „Wonder Woman“ beeindruckende gesellschaftliche Bedeutungen stecken, hätte ich nicht gedacht. Eine Amazone, die aus einer Welt kommt, wo es nur Frauen gibt und dann noch mit einem „Lasso der Wahrheit“ bewaffnet ist, klingt schon sehr albern. Dass sich hinter diesem Seil, was denjeigen, der damit gefessselt wird, nur noch die Wahrheit sprechen lässt, die Erfindung des Lügendetektor steckt, ist nur eine kleine Wissenslücke, die sich mit dem Film „Professor Marston und Wonder Woman“ geschlossen hat.

Dr. William Moultin Marston (Luke Evans) arbeitet zusammen mit seiner Ehefrau Elizabeth (Rebecca Hall) an der Universität von Washington im Bereich der Psychologie. Marston lehrt seiner Studiengruppe die DISC-Theorie, die auf „Dominanz, Initiative, Stetigkeit und Gewissenhaftigkeit“ beruht. In den 30er Jahren ist die Situation, das Frauen an einer Universität studieren, noch unüblich. Das spiegelt sich vor allem darin wieder, dass Elizabeth Marston kein Doktortitel zugesprochen wird, trotz wesentlich größerem Ehrgeiz als dem ihres Mannes. Aber um akademische Laufbahnen geht es in diesem Film nicht, sondern um die Liebe des Ehepaars Marston zu ihrer Studienassistentin Olive Byrne (Bella Heathcote), die auch erwidert wird. Wie daraus die erste erfolgreiche Comic-Superheldin enstand, erfährt man entweder auf Wikipedia oder, in einer viel schöneren Version, mit dem Film „Professor Marston und Wonder Woman“.

Vielleicht ist die Schauspielbesetzung etwas zu attraktiv gewählt, wenn man die Fotos der echten Personen im Abspann des Films sieht, aber es sind Belege dafür, dass es diese Dreiecksbeziehung in jener toleranzlosen Zeit wirklich gegeben hat. Gleichgeschlechtliche Liebe ist in der Öffentlichkeit der 30er Jahre eine Krankheit, ein Defekt, der sicherlich noch in einer Irrenanstalt mit Elektroschocks „behandelt“ wird. Eine gleichwertige Liebesbeziehung zwischen Mann-Frau-Frau – viele dramaorientierte Regisseure hätten die Krisen, Streits und eifersüchtigen Blicke immer wieder als Risse im Zusammenleben betont. Nicht so die Regisseurin Angela Robinson: Sie betont die liebevolle Partnerschaft dieser drei Personen und bezieht die Erziehung der vier (!) Kinder aus dieser polyamanten Beziehung mit ein. Der Film kommt aber dennoch nicht ohne Drama aus, durch die neugierigen Nachbarn, den verletzten Verlobten oder die Aufsichtsbehörde, die darüber entscheidet, ob Wonder Woman auf dem Index landet oder nicht.

„Professor Marston und Wonder Woman“ ist kein filmischer Meilenstein mit politisch-gesellschaftlichem Sprengstoff. Dafür ist der Film einfach zu brav. Eine Beziehung zwischen drei Menschen kann jedoch funktionieren, wenn alle ehrlich zueinander sind. Das Mächteverhältnis zwischen ihnen wird dann eben in sexuellen Spielarten ausgelebt. Am Ende bleibt jedoch eine starke Heldin in den Comic-Büchern, die Kindern bereits zeigt, dass Frauen eben auch kämpfen können, auch wenn es „nur“ um die Liebe geht.

Cast und Crew

Professor Marston und Wonder Woman (2017)
OT: Professor Marston and the Wonder Woman

Filmposter

Professor Marston und Wonder Woman Filmposter Filmkritik Fluxkompensator

Kinostart Deutschland

02.11.2017

Regisseur

Angela Robinson

Schauspieler


    Luke Evans (William Moulton Marston)
    Rebecca Hall (Elizabeth Marston)
    Bella Heathcote (Olive Byrne)



Trailer

Drehbuch

Angela Robinson

Kamera

Bryce Fortner

Musik

Tom Howe

Schnitt

Jeffrey M. Werner
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20