Operation 12 Strong Chris Hemsworth

Operation: 12 Strong – Filmkritik

„Donnergott zu Pferde“

Es gibt keinen Produzenten, der seinen Namen so intensiv medial vermarktet hat wie Jerry Bruckheimer. Es verblassen die Regisseure auf den Kinoplakaten, die für Jerry Bruckheimer-Produktionen werben. Filme die seine finanzielle Handschrift tragen, sind regelmäßig in der Unterhaltungssparte zu finden und mit einer ordentlichen Portion amerikanischen Patriotismus gewürzt („Pearl Harbor“, „Armageddon“ oder „Black Hawk Down“). Als es um die Filmrechte von „Operation: 12 Strong“, der ersten Mission von US-Soldaten in Afghanistan nach der Zerstörung des World Trade Centers, verhandelt wurde, muss Mr. Bruckheimer wohl laut hier geschrien haben und kein anderer hat sich getraut etwas dagegen zu sagen.


© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.

Inhalt „Operation: 12 Strong“

Mitch Nelson, gespielt vom kurzhaarigen Chris Hemsworth („Thor: Ragnarok“), ist schockiert als er die Nachrichten von einem brennenden World Trade Center sieht. Er ist Captain einer Eliteeinheit der US-Army und unverzüglich in seinem Büro, um sich freiwillig für den ersten Einsatz gegen die Taliban in Afghanistan zu melden. Nach kurzer Diskussion mit der oberen Offiziersetage und dem Rücktritt vom Rücktritt seines besten Manns, dem Irakkrieg-Held Hal Spencer (Michael Shannon), wird das Team kurzer Hand in den nahen Osten geflogen. Dort sollen sie zusammen mit dem Milizführer General Dostum (Navid Negahban) mehrere Taliban-Hochburgen mit Hilfe von Luftunterstützung zerstören. Die Versprechen von Cap. Nelson alle 12 Männer gesund wieder nach Hause zu bringen und die Mission pünktlich zu Weihnachten abzuschließen sollen für dramaturgische Spannung sorgen.

Schauspieler auf dem schmalen Grat des Durchschnitts

Da sind wir auch bei einer der wichtigsten Regeln für einen spannenden Kriegsfilm: Die Figuren auf der Leinwand müssen sympathisch und menschlich wirken. Der Zuschauer muss sie mögen, damit er beim Feuergefecht um deren fiktiven Leben fürchten kann. Das ist bei zwölf Elite-Soldaten in „Operation: 12 Strong“ eher schwierig, da diese, allein schon von Berufswegen her, nach außen sehr kühl wirken. Chris Hemsworth erfüllt diese Aufgabe wie gewohnt charismatisch und dem wandelbarn Michael Shannon, aktuell als einer der besten Bösewichte aller Zeiten in „The Shape of Water“ zu sehen, gelingt dies ebenfalls. Diese beiden Hauptfiguren liegen uns am Herzen und die dargestellten Verbindungen zur bangenden Familie daheim braucht der Film gar nicht. Die militärische Rangordnung lässt dann auch nicht mehr an emotionaler Verbundenheit und viel Screen-Time für die anderen Soldaten zu, sie erfüllen ihre Aufgaben: Schießen, Nachladen und auf Thor äh, den Captain hören. Das schauspielerische Talent von Navid Negahban als verbündeter afghanischer General wird mit nur den üblichen Kriegs-Phrasensätzen in der schüchternen Verbrüderung mit Nelson zur Geltung gebracht. Lächerlich ist die Figur des Antagonisten Mullah Razzan, der wie aus einem 90er-direct-to-VHS-Dolph-Lundgren-Streifen aussieht inklusive arabischen Bösewichtbart, schwarzer Kleidung und Fernglas mit roten Gläsern, wodurch jeder Actionfilmfan weiß: Aha, der Endgegner.


© 2017 Warner Bros. Entertainment Inc.

Aktuelle Techniken des Kriegsfilms

Die Kampfszenen sind handwerklich gut entwickelt und packend geschnitten. Vor allem das Sounddesign hat ausgezeichnete Arbeit geleistet, welche noch wichtiger für Kriegs-Inszenierung geworden sind als das oft falsch benutzte Mündungsfeuer. Mich hat es auch wieder beeindruckt, wie viel so ein Soldat mit sich tragen muss und über welche Technik dieser verfügt. Es sind lebendige Panzer mit eingeschweißten US-Dollar Scheinen, um eventuell schnell einen Handel mit den Einheimischen zu machen. Eine der Szenen, die mich in der Netflix-Produktion „War Machine“ (2017) extrem beeindruckt hat, ist, wie Soldaten ein eingeschweißtes Geldbündel für eventuelle Geschäfte als Ausrüstungsgegenstand dabeihatten. Ein unverhohlenes Geständnis: Krieg ist ein Geschäft.
Zurück zu „Operation: 12 Strong“: Die Schauspieler sind stets bemüht wie Soldaten zu agieren und sich zu bewegen, das hat man schon schlechter gesehen, aber auch wesentlich besser wie zum Beispiel in „Black Hawk Down“ (ebenfalls eine Bruckheimer-Produktion). Kritisch müssen auch die handwerklichen Fähigkeiten des Kameramanns bzw. dessen Assistenten gesehen werden. Neben der gewollt Action-suggerierten „Shaky-Cam“ sind ruhige Dialogaufnahmen extrem unscharf. Das lässt nicht nur den Zuschauer die Augen zukneifen, sondern auch den Optimized for IMAX-Banner am Ende des Abspanns lächerlich erscheinen.

Fazit

„Operation: 12 Strong“ ist ein solider Kriegsfilm mit einer interessanten Hintergrundgeschichte, die aber leider kaum Aufmerksamkeit erhält. Der Film möchte allerdings gar kein politisches oder gesellschaftliches Wissen vermittelt und als zweistündiger Actionfilm geht er alle mal durch. Aber einen emotionalen, wie auch geistigen Effekt auf seine Zuschauer, wie es Clint Eastwoods „American Sniper“ (2014) getan hat, wird „12 Strong“ (Originaltitel) nicht erzielen.

Cast und Crew

Operation: 12 Strong (2018)
Originaltitel: 12 Strong

Poster

Operation 12 Strong Kinoposter

Kinostart Deutschland

08.03.2018
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Regisseur

Nicolai Fuglsig

Schauspieler

Chris Hemsworth (Captain Mitch Nelson)
Michael Shannon (Hal Spencer)
Michael Peña (Sam Diller)
Navid Negahban (General Dostum)
Rob Riggle (Lt. Colonel Bowers)
William Fichtner (Colonel Mulholland)

Trailer

Drehbuch

Ted Tally
Peter Craig

Buchvorlage

Nach dem Buch "Horse Soldiers" von Doug Stanton

Kamera

Rasmus Videbæk

Musik

Lorne Balfe

Schnitt

Lisa Lassek
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