Kikujiros Sommer Mediabook

Kikujiros Sommer Filmkritik & Review zum Mediabook

„Sommerferien mit dem verrückten Onkel“

Takeshi Kitano ist für mich, trotz der extremen Gewalt in manchen seiner Filme, immer auch Poet des Lebens gewesen. Er schafft es leicht mit einfachen Mitteln, wie wenigen Kameraeinstellungen und improvisierten Regieanweisungen, Gefühle in seinen Filmen zu vermitteln. „Kikujiros Sommer“ war bis jetzt noch eine leere Stelle in meinem Wissen um seine Filmografie. Capelight Pictures hat dem Film nun ein Blu-Ray-Release im Mediabook gegeben. Hier bekommt man einiges mehr geliefert als die übliche Extra-DVD.

Inhalt

Wer kennt es nicht aus seiner Kindheit: Es sind Sommerferien, die besten Freunde verreisen mit ihren Eltern und man selbst bleibt zurück.  So geht es auch dem kleinen Masao (Yusuke Sekiguchi). Ihm steht ein langweiliger Sommer bei seiner Großmutter, die ihn allein aufzieht, bevor. Er hat sich aber zum Ziel gesetzt seine leibliche Mutter, die im japanischem Hinterland leben soll, zu finden. Der Ex-Jakuza, Faulpelz und Tunichtgut Kikujiro (gespielt von Takeshi Kitano unter seinem Schauspiel-Pseudonym Beat Takeshi) wird ihm als Begleitung an die Hand gegeben. Kikujiro hat gar keine Lust den Kindergärtner zu spielen und verjubelt gleich am ersten Tag die Reisekasse an der Rennstrecke. Für beide bedeutet das nun schnorrend und trampend an ihr Ziel zu kommen und der skurrile Roadtrip beginnt.


© capelight pictures

Kitanos Blick auf Väter und Kreativität

Er sagte selbst in einem Interview, dass sein Vater nur eine Hand voll Sätze an ihn gerichtet hatte und versuchte mit Glücksspiel für den Familienunterhalt zu sorgen. So ergeben sich gewisse Parallelen von Kitanos Vater zur Figur Kikujiro. Er nimmt mit Masao eine Art Vater-Sohn-Beziehung auf, die nach anfänglicher Distanz und Schüchternheit der Beiden zu einer echten Freundschaft gedeiht. Kikujiros freche Art sich einfach das zu nehmen, was er braucht, steht im starken Widerspruch zu japanischen Umgangsformen wie der Zurückhaltung. Das Duo lernt im Verlauf von „Kikujiros Sommer“ noch weitere Lebenskünstler kennen, welche sich durch ihren Alltag treiben lassen. Sie stellen ebenfalls einen starken Kontrast zur japanischen Leistungsgesellschaft dar. Die Gruppe vertreibt sich gemeinsam, vor allem wegen dem Jungen, ihre Zeit mit kreativen Spielen und Künsten. Die Langeweile ist schließlich auch ein Rohstoff für Kreativität.


© capelight pictures

Die Bilder von Kameramann Katsumi Yanagijima strahlen nicht nur die japanische meditative Ruhe aus, sondern erzeugen stimmungsvoll das Gefühl für einen heißen Sommer in der Provinz. Der Filmschnitt und das Drehbuch sind von Kitano selbst. Er sagt, dass er kein genaues Drehbuch vor der Produktion hatte, sondern ausschließlich Zutaten für ein erdachtes Konzept. Der Rest geschieht während des Drehs. Das merkt man vor allem in den witzigen Szenen, wenn zum Beispiel die Biker als verkleidete Fische zum Angeln herhalten müssen. Die Filmmusik dringt leichtfüßig in jedermanns Ohr und gibt den kindlichen Grundton für „Kikujiros Sommer“. Wem als Fan von japanischen Animes die Stücke bekannt vorkommen sollten, das kann daran liegen, dass es der Ghibli-Hauskomponist Joe Hisaishi ist.

Das limitierte Mediabook von Capelight Pictures

Kikujiros_Sommer Mediabook
Cover Mediabook

Bild und Ton können sich, wie immer bei Capelight (vorherige Mediabooks „Ein Fremder ohne Namen“ und „Runaway Train“), sehen lassen. Der Ton liegt für die deutsche Synchronisation in 5.1 vor, welche gut abgemischt ist. Ich habe aber nach der Hälfte des Films auf den japanischen Originalton mit deutschen Untertitel gewechselt, weil mich die ältere Synchronstimme von Kitano extrem gestört hat. Das Bonusmaterial kann sich bei dieser 4-Disc Limited Collectors Edition zu „Kikujiros Sommer“ wirklich sehen lassen. Ein Booklet mit Ausführungen der lebenden Film-Enzyklopädie Marcus Stiglegger und ein Interview mit Takeshi Kitano (auch als Clip auf der Blu-ray) sind abgedruckt. Außerdem gibt es ein 90 Minuten langes Making-of zum Film, welches ohne Erklärungen die Dreharbeiten mit deutschen Untertiteln begleitet. Hier bekommt man einen Eindruck, wie viel Kitano beim Dreh improvisiert. Der Soundtrack von Filmkomponist Joe Hisaishi ist als Audio-CD ebenfalls dabei. Als dickes Extra, schon fast Tradition bei Kitano-Mediabooks von Capelight, ist ein Bonusfilm. „Ryuzo and his Seven Henchmen“ (2015), ebenfalls eine Regiearbeit Kitanos, ist in Japanisch mit deutschem Untertitel bei diesem Mediabook inklusive.

Fazit

„Kikujiros Sommer“ beweist die Vielseitigkeit von Takeshi Kitano abseits der Yakuza-Geschichten und zeigt gefühlvoll die Wirkung eines Kindes auf die Welt der grummeligen Erwachsenen. Ein Film so leicht wie ein Hawaii-Hemd, aber wirkungsvoll wie ein Sommergewitter.

Titel

Kikujiros Sommer (1999)
OT: Kikujirô no natsu

Regisseur

Takeshi Kitano

Poster

Kikujiros Sommer Poster

Veröffentlichung

Limitiertes Mediabook und DVD von Capelight Pictures - bei Amazon kaufen

Schauspieler

Takeshi Kitano (Kikujiro) als Beat Takeshi
Kayoko Kishimoto (Kikujiros Frau)
The Great Gidayû (Biker)
Rakkyo Ide (Bikers Freund)
Yûko Daike Masaos Mutter)

Trailer

Drehbuch

Takeshi Kitano

Kamera

Katsumi Yangijima

Musik

Joe Hisaishi

Schnitt

Takeshi Kitano
Yoshinori Ohta

Filmlänge

122 Minuten
93 Minuten (Making-Of)
9 Minuten (Interview mit Takeshi Kitano)

Technische Daten der Blu-ray

Ton: DTS-HD Audio 5.1 Deutsch, PCM 2.0 Japanisch
Bild: 1,85:1 (1080p)
Untertitel: Deutsch
Laufzeit: 122 min
Typ: BD 50
Regionalcode: B
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