Kids On The Slope (OT: Sakamichi no Apollon) – Serienkritik

Improvisieren in der Jugend

Die Welt der Mangas und Animes dreht sich hauptsächlich um das Erwachsenwerden, die Jugend mit dem Auf und Ab der Emotionen. Für Viele die schönste, traurigste und interessanteste Zeit ihres Lebens. Warum das so ist? Diese Frage kann sich jeder selbst beantworten. Shinichirō Watanabe („Cowboy Bebop“, „Samurai Champloo“) gibt darauf nun seine Antwort als Animeserie.

Cowboy Bebop war auf den ersten Blick ein Science-Fiction-Abenteuer, jedoch auch ein Western und Agententhriller. Samurai Champloo war neben der standardisierten Samuraigeschichte mit Hip Hop und viel Komik auch eine lehrreiche Serie über das Japan der Edozeit. Space Dandy, sein aktueller Geniestreich, ist eine wilde Mischung aus allem, was wohl in seinem ideenreichen Kopf herum spukt, verdichtet in eine Alien-Kopfgeldjäger-Komödie. Was seine Kurzfilme und Serien aber stets verbindet, ist die Musik. Vor allem der Jazz ist immer wieder zu hören.

Inhalt von „Kids on the Slope“

Kids on the Slope, die auf einem Manga basierende Geschichte, spielt Mitte der 60er Jahre in der Stadt Sasebo auf den zerklüfteten Inseln im Westen Japans. Die Flower-Power-Bewegung ist nur noch einen Wimpernschlag entfernt und die Chinesische Kulturrevolution beginnt. Von diesen gesellschaftlichen Veränderungen ist aber nichts zu spüren, als der junge Kaoru Nishimi durch die beruflichen Veränderungen seines Vaters an eine neue Schule muss. Es ist der gute alte Standardauftakt, der schon oft in Animeserien verwendet wurde. Sind alle Japaner in ihrer Jugend umgezogen und mussten sich an einer neuen Schule als Außenseiter fühlen? Kaoru, selbst sehr spießig erzogen, dessen Hauptinhalt das Lernen für die Schule zu sein scheint, trifft auf den wilden Sentarō Kawabuchi für den die Schule eher ein Ort des Ausschlafens ist. Sentarōs Sandkastenfreundin Ritsuko Muae macht das Hauptfigurendreieck perfekt. Die Liebe wird mit all ihrer Komplexität – japanische Umgangsformen in der 60ern scheinen es noch schlimmer zu machen – zwischen den Dreien einschlagen und stellt die entstehende Freundschaft auf den Prüfstand. Diese Entwicklung der Hauptfiguren bringt die gemeinsame Begeisterung zum Jazz und den Proben im Keller von Ritsukos Vater voran. Kaoru, ein bis dato klassischer Klavierspieler, spielt nun gegen den wilden improvisierenden Schlagzeuger Sentarō an und spielt auch direkt um das Herz von Ritsuko. Jazz ist die perfekte Musikrichtung, um das emotionale Durcheinander der beiden pubertierenden Jungmusiker zu bündeln und in die Welt hinaus zuspielen.

Kids on the Slope
© Tezuka Productions

Der Geschichte ist anzumerken, dass kein flottes Tempo und extrem hoher Unterhaltungswert zu erwarten ist. Jedoch muss ich, selbst Jazzkonsument und ehemals unglücklich verliebter Teenager, wie wir alle, der Geschichte und seinen sympathischen Persönlichkeiten viel abgewinnen. Manchmal fliegen die Jahreszeiten in der Geschichte nur so dahin und man merkt gar nicht wie die Drei auf ihren Schulabschluss zusteuern und somit auch auf ihr neues Kapitel als Erwachsene.

Viele Dinge sind, trotz der üblichen „0815-Coming-of-Age-Geschichte“, ungewöhnlich inszeniert. Erwachsene erscheinen, neben dem Vater von Ritsuko, nur als Randerscheinung. Man wartet förmlich darauf, dass sie nur bis zum Hals im Bild erscheinen und unverständliches Quäken wie in den „Peanuts“ von sich geben. Die Jazzsessions werden ausgespielt und temporeich geschnitten. Den wenigen Konzerte (im Trio mit „Bruder Jun“ am Mikrofon und Trompete oder im Quartett mit dem Bass spielenden Tsutomu, Ritsukos Vater) wird viel Zeit gegeben, was jeden Jazzfan freut und den Kompositionen von Yōko Kanno den gebührenden Respekt zollt. Das dann doch wieder quälende „Umeinanderschleichen“ der drei Hauptfiguren bringt leider immer wieder das musikalisch vorgelegte Tempo zum Erliegen.

Eine Serie, die man Fans von Watanabe-San nur empfehlen möchte und jedem, der gern eine Liebesgeschichte mit viel Gespür zum Jazz sehen will. Die Zeichnungen sind hochwertig und die Serie besitzt eines der schönsten In- und Outros aktueller Animeserien. Leider kann man in Deutschland nur auf den UK-Import und entsprechenden Originalton mit englischen Untertiteln zurückgreifen.

Der grandiose Jazz – Soundtrack:

Cast und Trailer

Das Mädchen, das durch die Zeit sprang (2006)
OT: Sakamichi no Apollon

Veröffentlichung Deutschland

derzeit keine deutsche Veröffentlichung

Regie

Shinichirô Watanabe

Managavorlage

Kodama Yuki "Sakamichi no Apollon" (2007-2012)

Trailer

Drehbuch

Yuko Kakihara
Ayako Katoh

Kamera

Kenji Takehara

Musik

Yôko Kanno

 

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