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Fargo – Filmkritik & Review zum Mediabook

„Ein Mord kommt selten allein“

Die für NETFLIX produzierte Serie „Fargo“ verfügt bereits über drei Staffeln. Mit talentierten Schauspielern besetzt, arbeitet jede Staffel – oder vielmehr die Polizei des titelgebenden Ortes – eine Mordserie ab. Als roter Faden durch die Serie führt eine Familie in der Tradition als Gesetzeshüter und eine ominöse Verbrecherorganisation, die anscheinend über unbegrenztes Personal und Ressourcen zu verfügen scheint. Die Serie basiert auf einem der besten Filme der ewigen Underdog-Regie-Brüder, Joel und Ethan Coen von 1996: „Fargo“. Filmconfect präsentiert dieses Meisterstück nun in einem Mediabook für alle, die diese Filmlücke schließen oder ihrer DVD zu Hause ein lohnendes Upgrade spendieren wollen.

Inhalt „Fargo“

Dass die Handlung in der Stadt Fargo spielt, ist ein Irrglaube wie auch die Texttafel zu Beginn, der Film würde auf einer wahren Begebenheit beruhen und ausschließlich die Namen der Protagonisten wären geändert worden. Jerry Lundegaard (William H. Macy) hat massive Geldprobleme und lässt von einem dubiosen und ungleichen Gangsterpaar (Steve Buscemi und Peter Stormare) seine Frau entführen, um daraufhin das Lösegeld, welches von seinem reichen, aber knausrigen Schwiegervater kommt, mit den Entführern zu teilen. Es klappt natürlich nicht alles wie geplant und drei Tote pflastern den Weg der Gangster zu ihrem Unterschlupf. Nun wird der Sheriff vom zuständigen Ort Brainerd eingeschaltet. Dies ist aber kein Revolverheld mit Cowboy-Attitüde wie man sich das vorstellt, sondern die hochschwangere Marge Gunderson (Francis McDormand). Marge, die clevere Heldin in diesem Film, taucht erst nach 30 Minuten Spielzeit auf, ist aber die fähigste Figur in diesem grotesken, blutigen und schwarzhumorigen Krimi.


© 1996 Metro-Goldwyn-Mayer Studios

Die Coens auf Hochtouren

Der Film ist bereits 20 Jahre alt, sieht aber auf Grund des dörflichen Umfelds von Minneapolis und der einfachen aber freundlichen Art der dortigen Anwohner (Nachfahren skandinavischer Siedler) noch viel älter aus. Es geschieht eben alles ein bisschen langsamer in dieser Eiswüste. Der einprägsame Slang: Das langezogene „Yah“ nach gefühlt jedem Satz, ein fluchendes „What the heck“ oder „Oh, Jeez“ unterstreichen hier keine besonders redegewandten Hauptfiguren. Aber das täuscht, wie vieles in „Fargo“, denn jeder Dialog ist interessant und dynamisch geschrieben, jede Silbe sitzt bei den Schauspielern und man schmunzelt sich permanent ins Fäustchen. Deswegen sollte man ruhig auf die englische Tonspur wechseln. Die deutsche Synchronisation ist zwar gelungen, kann aber mit dem Original leider nicht mithalten.
Man könnte hier ein ganzes Buch darüber schreiben, was diesen Film so einzigartig und gehaltvoll macht. Der Kampf zweier ungleicher Familien, ländliche Tradition gegen machtgierigen Unternehmergeist und Slapstick-Humor gegen brutale Grausamkeit. Letzteres wird gut in einer Szene deutlich, wenn die Ganoven Carl und Gaear ihr Entführungsopfer mit einem Sack auf dem Kopf durch den Wald stürzen lassen. Wie ein kopfloses Huhn rennt die arme Ehefrau in Jogginghose durch den tiefen Schnee, was uns lachen, aber auch betrübt mitfühlen lässt. Dieser Zwiespalt zieht sich durch die surreale Geschichte wie die Spur der Beweismittel, die Marge zu den Mördern führen wird.

Das Mediabook von Filmconfect

„Fargo“ muss man als Filmfan im Regal stehen haben. Dies nicht nur wegen dem Oscar für das beste Originaldrehbuch und die beste Hauptdarstellerin Francis McDormand, die 2018 ihren Zweiten für „Three Billboards Outside Ebbing Missouri“ erhielt, sondern wegen der perfekten Mischung von grausamer Realität und schwarzhumoriger Groteske. Wer den Film als langweilig abtut, dem kann man leider auch nicht mehr weiterhelfen. Jede Szene entwickelt sich in eine andere Richtung und man weiß nie, welche verrückten Sachen als nächstes passieren werden. Besonders im Zusammenhang mit der aus diesem Universum mit fiktiven Geschichten und wahrem Begebenheitsanspruch entstandenen NETFLIX-Originals Serie „Fargo“, ist das Original definitiv ein Blick wert.


© 1996 Metro-Goldwyn-Mayer Studios

Das Mediabook-Cover ist schlicht, passt aber genau zur Filmoptik. Bei der Blu-ray handelt es sich um ein Re-Pack der bereits erhältlichen Amaray. Das Bonusmaterial auf der Scheibe ist somit dasselbe, aber  völlig ausreichend. Eine Empfehlung bekommt die knapp 30-minütige Making-of-Dokumentation „Minnesota Nice“, die sich gut wegschauen lässt. Ein Audiokommentar des genialen Kameramanns Roger A. Deakins, der dieses Jahr ebenfalls einen Oscar für seine Arbeit bei „Blade Runner 2049“ erhielt, ist durchaus hörenswert. Endlich kann auch für Nicht-5.1-Heimkinobesitzer eine gelungene Stereo-Tonspur angewählt werden. Das Bild ist in Ordnung, macht aber unglaublich Lust, den Film noch einmal auf einer sauberen 35-mm-Kopie sehen zu wollen. Das Mediabook von Filmconfect verfügt über ein 20-seitiges Booklet von Filmwissenschaftler Dr. Kai Naumann mit einem kurzen Abriss des Schaffens der Coen-Brüder und interessanten Aspekten zum Film. Ein gefaltetes Kinoposter mit dem Stick-Motiv ist ebenfalls mit dabei.

Weitere Empfehlung aus dem Universum „Fargo“

Wer mehr darüber erfahren will, warum die Filme der Coen-Brüder so einzigartig sind, dem empfehle ich das Buch „Joel und Ethan Coen“ (Körte und Seeßlen) vom Dieter Bertz Verlag aus dem Jahr 2000, welches man günstig gebraucht kaufen kann. Neben der angesprochenen würdevollen Weiterführung in Form der bis jetzt aus drei Staffeln bestehenden Netflix-Serie, die Dreharbeiten für Staffel 4 beginnen laut Produzent Noah Hawley erst 2019, gibt es noch ein weitere Filmempfehlung: „Kumiko, the Tresure Hunter“ (2014) nimmt als Grundlage die urbane Legende, dass eine Japanerin von dem Film so besessen war, dass sie nach Fargo reiste, um den im Schnee vergrabenen Geldkoffer zu finden. Der Film von David Zellner erzählt in stilvollen Bildern ein Märchen der besonderen Art. Leider ist Kumiko noch kein deutsches Blu-ray-Release wiederfahren.

Fazit

Wer die Serie auf Netflix lieben gelernt hat und das Original nicht kennt, sollte hier bei diesem unter 20 € liegenden Mediabook von Filmconfect zugreifen. Gleiches gilt für ein Upgrade von DVD auf Blu-ray. Die Aufmachung und das Booklet lohnen sich gegenüber der Amaray für ein paar Euro mehr auf jeden Fall. Wer jedoch den Film schon auf Blu-ray haben sollte, muss diesen einfach lieben, um seine Plastehülle gegen das Buchformat auszutauschen. „Fargo“ ist und bleibt einer der besten Filme der Coen-Brüder und des letzten Jahrhunderts.

(Das gerahme Bild rechts im Beitragsbild ist von der Künsterlin Sarah Bucholz © Papilio)

Titel

Fargo (1996)

Regisseure

Joel Coen
Ethan Coen

Poster

Kinoposter Fargo Mediabook

Veröffentlichung

Mediabook von FILMCONFECT - bei Amazon kaufen

Schauspieler

Francis McDormand (Marge Gunderson)
William H. Macy (Jerry Lundegaard)
Steve Buscemi (Carl Showalter)
Harve Presnell (Wade Gustafson)
John Carroll Lynch (Norm Gunderson)
Peter Stormare (Gaear Grimsrud)

Trailer

Drehbuch

Ethan Coen
Joel Coen

Kamera

Roger Deakins

Musik

Carter Burwell

Schnitt

Ethan Coen (als Roderick Jaynes)
Joel Coen (als Roderick Jaynes)

Technische Daten der Blu-ray

Ton: Dolby Digital 5.1 & Stereo Deutsch und Englisch
Bild: 1,85:1 (1080p)
Untertitel: Deutsch und Englisch
Laufzeit: 98 min

Altersfreigabe

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