Ein Hologramm für den König Tom Hanks

Ein Hologramm für den König (2016) – Filmkritik

Etwas an einem Ort finden, womit man nicht gerechnet hat

Ein Poster, ein Kinotrailer und ein Hauptdarsteller reichen aus, um sich eine Meinung zu bilden ohne überhaupt den Film gesehen zu haben. „Ein Hologramm für den König“ hatte bereits eine durchschnittliche Meinung von mir bekommen, noch bevor der Film in die Kinos kam. Ein Mann steht im Anzug in der Wüste, ein paar Jokes, viele kulturelle Differenzen zwischen den USA und Saudi-Arabien mit Tom Hanks als netten Typen von nebenan, der sich mit plötzlich auftretenden Problemen arrangieren muss. „Ach, das ist kein Film fürs Kino, den schaue ich mir bei Gelegenheit zu Hause auf der Couch an.“
Und so begegnet mir der Film ein Jahr später im Briefkasten, als letzter Film meines endenden – Schande über Amazon für diese wirtschaftliche Entscheidung – LOVEFILM-Abos. Meine Vorurteile, ein durchschnittliches Produkt zu sehen, wurden positiv enttäuscht.

Der Film beginnt mit einem flotten Spot, in dem Tom Hanks mit viel Effekthascherei zeigt, dass man schnell vieles verlieren kann. Es ist aber nur eine Traum gewordene Erinnerung und Alan, gespielt von Tom Hanks („Bridge of Spies“, „The Circle“), sitzt im Flugzeug nach Saudi-Arabien. Dort soll er keinem geringeren als dem König eine holografische Telefonkonferenz-Software verkaufen. In westlicher, vom Kapitalismus angefeuerter, Art prescht Alan voran und trifft jedoch nur auf sein gelangweiltes Technikerteam in einem Zelt in der Wüste. Dort soll erst noch eine Stadt entstehen und Alan muss erkennen, dass Geschäfte in Saudi-Arabien langsamer gemacht werden als man erwartet. Durch den Kulturschock, den Jetlag und Party-schmeißende Dänen, kommt Alan vom vorgesehenen Geschäftsweg ab und wird ungewollt von seinen persönlichen Problemen eingeholt.

Ich gebe zu, es hört sich wirklich etwas vorausschaubar nach Midlife-Crisis trifft auf „Lawrence von Arabien“ an. Ist es aber nicht. Vor allem die Inszenierung von Tom Tykwer („Cloud Atlas“, „Das Parfüm“) hebt sich von einem typischen 20:15-Spielfilm ab. Kleine Erinnerungen tauchen unerwartet vor Alan auf und verschwinden wieder. Das passiert ohne große visuelle Effekte, kommt aber so überraschend, erzeugt Aufmerksamkeit und wirkt wie eine echte Erinnerung. Tom Hanks spielt in einem Alter von jetzt schon 60 Jahren die Rolle menschlich, aber trotzdem mit etwas Neuem in Gestik und Mimik, wie wir es von ihm gewohnt sind. Seine innere Qual, geprägt von schlechten Entscheidungen aus der Vergangenheit und dem Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Tochter, nehmen wir seiner Figur bedingungslos ab. Der kulturelle Führer Yousef (Alexander Black) bringt etwas Schwung in die dürre Landschaft und zeigt mit seiner Rolle, dass auch in Saudi-Arabien große Unterschiede innerhalb der eigenen Bevölkerung bestehen. Für meinen Geschmack ist diese Rolle ein bisschen zu „amerikanisch“ besetzt, aber sie verfehlt ihre Wirkung nicht und Yousef nimmt uns Zuschauern die Angst vor der dogmatischen Religion und Kultur. Sarita Choudhury als arabische Ärztin Zahra öffnet Alan einen emotionalen Zugang zum Land, wo alles möglich ist, aber auch vieles in traditioneller Engstirnigkeit feststeckt.

„Ein Hologramm für den König“ gibt nicht nur den Blick in eine arabische Kultur im Überfluss frei, sondern zeigt die vielen Richtungen, in die sich diese Welt kulturell entwickeln kann. Ein Film, den man gut unterhalten genießen kann, der aber trotzdem zum Nachdenken anregt und im Kopf bleibt. Das liegt sicherlich auch an der simplen und guten Buchvorlage von Dave Eggers („The Circle„) und bekommt durch die Filmmusik von Johnny Klimek und Tom Tykwer einen gefühlvollen Zugang. Tykwer stellt uns mit den richtigen Bildern nicht die Frage nach eigenen Vorurteilen, sondern beweist, dass die Menschen in Saudi-Arabien mit den gleichen Problemen umgehen müssen. Eine Lösung dieser Probleme lässt sich am Beispiel von Alan und Zahra gemeinsam finden.

Es ist sicherlich kein Film ohne Schwächen und bedient hier und da einzelne Klischees. Doch am Ende bin ich beeindruckt, dass sich die Geschichte sehr echt anfühlt und mehr ist als ein verständnisloser Reisebericht, der mit Anekdoten angereichert ist. Tom Tykwer, ich hoffe auf weitere Filmprojekte. Aber als Nächstes werde ich wohl meine Aufmerksamkeit auf deine neue Serie „Babylon“ lenken.

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Cast und Crew

Ein Hologramm für den König (2016)
OT: A Hologram for the King

Poster

Ein Hologramm für den König Poster Filmkritik

Kinostart Deutschland

28.04.2016

Regisseur

Tom Tykwer

Schauspieler


    Tom Hanks (Alan)
    Alexander Black (Yousef)
    Sarita Choudhury (Zahra)
    Side Babett Knudsen (Hanne)


Trailer

Drehbuch

Tom Tykwer

Kamera

Frank Griebe

Musik

Johnny Klimek
Tom Tykwer

Buchvorlage

"Ein Hologramm für den König" von Dave Eggers

Schnitt

Alexander Berner
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