Die Verlegerin Meryl Streep Steven Spielberg Tom Hanks

Die Verlegerin – Filmkritik

Spielbergs Geschichtsunterricht

„Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler.“ Das ist ein Zitat der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann. Zugegeben, es ist eine pessimistische Sicht, aber darin steckt die Aufforderung, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und nicht dieselben Fehler wieder zu machen. Steven Spielberg („Bridge of Spies“) ist ein aufmerksamer Schüler der Geschichte und weiß sie spannend in seinen Filmen aufzubereiten.
Nachrichten sind Informationen und diese bedeuten Macht über die Gesellschaft und die Wirtschaft. In der neusten Regiearbeit von Spielberg: „Die Verlegerin“ wird die Frage gestellt: Wie weit muss eine Zeitung von der Politik und Wirtschaft unabhängig sein, um umfassend zu informieren? Den Versuch einer Antwort liefert der Blick ins Jahr 1971.


© 2018 Universal Pictures

Inhalt „Die Verlegerin“

Der Vietnamkrieg hat bereits hohe Verluste gefordert und verschlingt Millionen Dollar auf der anderen Seite der Welt. In der Bevölkerung entwickelt sich die Erkenntnis, dass technische und finanzielle Überlegenheit einen Krieg nicht unbedingt schnell beenden kann. Um dem Konflikt in Vietnam zeitnah ein Ende zu setzen, werden 1971 noch mehr Soldaten vom amtierenden Präsidenten Richard Nixon entsendet. Der vorherige Außenminister Robert McNamara (Bruce Greenwood) gab eine Studie in Auftrag, die aufzeigen sollte, welche Entwicklungen dieser Krieg in der Indochina-Region mit sich brachte. Die Ergebnisse bewiesen, dass weder mehr Material noch mehr Soldaten ein schnelles Ende des Krieges herbeiführen werden. Die Studie wurde unter Verschluss gehalten und die öffentliche Stellungsnahme war eine völlig andere: Alles verläuft nach Plan. Daniel Ellsberg (Matthew Rhys) schmuggelte das umfangreiche Dokument, ca. 7.000 Seiten mit geheimen Daten über die Eskalation des Konflikts, aus dem Verteidigungsministerium. In die Geschichte gingen sie als „Pentagon Papers“ ein. Die US-Zeitung „The New York Times“ veröffentlichte Teile dieses Berichts und erhielt sofort ein Veröffentlichungsembargo auf Grund der möglichen „Gefährdung stationierter Soldaten durch geheime Informationen“. Der Film „Die Verlegerin“ setzt in seiner Handlung das Hauptaugenmerk auf das Konkurrenzblatt „The Washington Post“ mit Tom Hanks („Ein Hologramm für den König“) als Chefredakteur Ben Bradlee und Meryl Streep als Geschäftsführerin Kay Graham. Ben will diese Dokumente ebenfalls veröffentlichen, um den Staub des Regionalblatt-Images der „Post“ abzuschütteln. Kay hingegen hat erhebliche Probleme bei der Finanzierung des Unternehmens und versucht mit einem Börsengang liquide zu werden. Sich als Frau in dieser Männerdomaine des Nachrichten- und Verlagswesens durchzusetzen, ist in dieser Zeit fast unmöglich. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die einen Krieg beenden und dadurch viele Menschenleben retten können.


© 2018 Universal Pictures

Gewollt abseits des Rings

Wie man in der Inhaltsanagabe merkt, nimmt Spielberg mit seinen beiden Drehbuchautoren Liz Hannah und Josh Singer nicht den augenscheinlich wichtigsten Teil dieser Geschichte heraus: Den Diebstahl der Dokumente und die Veröffentlichung in der New York Times. Nein, es geht in „Die Verlegerin“ um einen Nebenschauplatz, die Washington Post, die im Endeffekt jedoch eine Schlüsselrolle in diesem geschichtlichen Ereignis inne haben wird. Hier bieten sich auch viele interessante Parallelen zu unserer Gegenwart: Frauen in Führungspositionen, journalistische Objektivität, Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und die hässliche Wortschöpfung „Fake News“.  Da diese Geschichte mit vielen Personen und Fakten umfassend erklärt werden muss, bleiben der Unterhaltungswert und die Spannung für thematisch Uninteressierte auf der Strecke. Die qualitativ hoch besetzten Rollen helfen aber über diesen Kritikpunkt hinweg. Tom Hanks, der in kauzigem Amerikanisch den Laden am Laufen hält; Meryl Streep, die von Unsicherheit zerfressen, unfähig ist sich gegen die Anzugträger durchzusetzen bis hin zum tollpatschigen Bob Odenkirk („Better Call Saul“), der für die Wahrheit ins Gefängnis gehen würde.

 

Inszenierung à la Spielberg

Spielbergs Regiearbeiten sind Mustervorlagen, wie Informationen visuell vermittelt werden ohne sich langweiliger Dialoge zu bedienen. Bei „Die Verlegerin“ gelingt es ihm nicht komplett ohne zu viel zu inszenieren. Eine Kamerafahrt über demonstrierende Hippies beispielsweise, wirkt dann doch zu sehr gestellt, mit ihren Sprechchören, Gesangsgruppen und weiteren Stereotypen auf engstem Raum. Was ihm aber hervorragend gelingt, ist uns Zuschauer im Kinosessel bei der geschehenden Ungerechtigkeit in Rage zu versetzen. Man möchte förmlich aufstehen und Kay zwingen sich endlich in ihrem Unternehmen zu behaupten und zu bestimmen, was getan werden soll. Wir erkennen, auch mit Hilfe der Rolle von Tom Hanks, dass es aus bestimmten Gründen für Kay unglaublich schwierig ist sich durchzusetzen. Mit diesem Unwohlsein gelingt das Filmende emotional umso besser. Die ausgezeichnete Filmmusik des bereits 86-Jährigen John Williams ist für Spielberg unverzichtbar. Sie lässt eine äußerst dichte und spannende Stimmung entstehen und das abseits seiner üblichen holzbläsernen Themen. Zu Unrecht hat er hierfür nicht die Oscar-Nominierung erhalten, sondern für „Star Wars: Die letzten Jedi“.

Fazit

„Die Verlegerin“ ist ein spannendes Geschichtsdrama mit hoher Qualität in allen Produktionsbereichen. Für große Oscar-Gewinne wird es wohl nicht reichen, da viele die Thematik leider nicht interessieren wird. Aber das sollte sie, denn in einem Zeitalter, in dem jeder Informationen veröffentlichen kann, ist das Verlangen nach Qualität und Wahrheit umso wichtiger.

Cast und Crew

Die Verlegerin (2017)
Originaltitel: The Post

Poster

Die Verlegerin Kinoplakat

Kinostart Deutschland

22.02.2018

Regisseur

Steven Spielberg

Schauspieler

Meryl Streep (Kay Graham)
Tom Hanks (Ben Bradlee)
Bob Odenkirk (Ben Bagdikian)
Bruce Greenwood (Robert McNamara)
Bradley Whitford (Arthur Parson)
Matthew Rhys (Daniel Ellsberg)

Trailer

Drehbuch

Liz Hannah
Josh Singer

Kamera

Janusz Kaminski

Musik

John Williams

Schnitt

Sarah Broshar
Michael Kahn
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