Death Note Netflix Originals Filmkritik

Death Note (2017) NETFLIX Originals- Filmkritik

Ein paar neue Seiten für das Death Note

Warum es eine weitere Realverfilmung von dieser ausgezeichneten Manga/Anime-Serie geben muss, sei jetzt dahingestellt. Es ging sicherlich auch um Profit oder die Unfähigkeit des Westens, asiatische Gesichter zu unterscheiden. Eine Diskussion über den Sinn eines weiteren Remakes zu führen, bringt jetzt nichts mehr. Wir schauen uns einfach an, was bei der ersten nichtasiatischen Version von Death Note herausgekommen ist.

Unser aller Serienzulieferer Netflix (u.a. Trollhunters) hat sich mit robustem Budget der westlichen Realverfilmung von Death Note angenommen. Nein, eine Serie durfte es von dieser 26 Kapitel umfassenden Animationsreihe nicht sein. Um die Komprimierung noch herausfordernder zu machen, ist der Film nur 100 min lang. Die äußeren Faktoren zeigen auf eine Konfrontation mit der großen Fangemeinde von Death Note. Um das gleich etwas abzumildern, soviel vorweg genommen: Der Film behandelt nicht die komplette Handlung der Serie. Also steckt eure persönlichen Death Notes erst einmal ein.

Für alle, denen die Serie nichts sagt, ein kleiner Abriss zu Beginn: Light ist ein intelligenter Außenseiter in der Schule und schreibt, gegen Bezahlung, Hausaufgaben für seine Mitschüler. Ihm fällt eines Tages ein Buch in die Hände, das Death Note. Es ist ein Regelwerk mit vielen leeren Seiten im Anschluss. Schreibt der Besitzer des Buches einen Namen in die leeren Seiten, stirbt diese Person. Dieser „Todesgott“ kann auch die Zeit, Art und Ursache des Todes schriftlich festlegen und es wird exakt so geschehen.
Light, Sohn eines Polizisten, mit sehr ausgeprägten moralischen Vorstellungen nutzt das Buch, um die Welt von Verbrechern zu befreien. Besser gesagt, jede Art von Terroristen, Warlords oder Mörder sterben durch Lights schriftliche Notiz im Death Note auf äußerst brutale Weise. Eine spannende Geschichte braucht auch einen Gegenspieler. Hier ist es der junge und extrem talentierte „L“ mit mächtigen Beziehungen im weltweiten Geheimdienst.

Im Manga bzw. der Anime-Serie lebt die Spannung von dem intelligenten Zweikampf dieser beiden Kontrahenten. L versucht die Identität des Serienmörders aufzudecken und stellt ihm dabei Fallen, aber Light schafft auf cleverem Weg ihm immer wieder zu entkommen. Diese Verfilmung lebt jedoch vor allem von dem ungewohnten Konzept im Vordergrund: Der übernatürlichen Eigenschaft des Death Notes und ihrer spektakulären Anwendung. Light (Nat Wolff) ist in seinem Handeln nicht allein und arbeitet mit seiner großen Liebe Mia (Margaret Qualley) zusammen.

Die beiden jungen Schauspieler liefern ihren Text, jedoch erzeugen sie keinerlei Zustimmung beim Zuschauer. Das ist bei dieser fragwürdigen „Säuberung“ auch nicht gewollt. Mehr Sympathie liegt bei Lakeith Stanfield als L. Er verkörpert die Originalfigur nicht nur solide, sondern weiß der Figur mit Emotionen mehr Präsenz zu geben. Light erhält etwas mehr geschichtliches Profil als im Original, das jedoch während der Handlung an ihrer Banalität verpufft. Mir fehlt bei diesem eiskalten Streber der Ehrgeiz, eine Utopie ohne Verbrechen zu erschaffen. Hier handelt er hauptsächlich, um seiner Liebe Mia zu imponieren. Willem Dafoe spielt den dämonischen Death Note Überbringer „Ryuk“, der nur von Light gesehen werden kann. Das Drehbuch gibt Dafoe aber zu wenig Spielraum, er wird schauspielerisch nicht von der Leine gelassen, einzig sein Lachen bleibt in Erinnerung.

Death Note bleibt trotz dieser Kritikpunkte bis zum Ende unterhaltsam. Ich musste jedoch aktiv die quälenden Teenager-Popsongs ignorieren, was bei der letzten Szene des Films einfach nicht mehr funktionierte. Meine Hoffnung auf clevere kleine Twists des Originals hatte ich zu Beginn sowieso über Bord geworfen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Netflix heißt jedoch Zeit-Leistungs-Verhältnis und deswegen kann man sich dieser Inszenierung an einem langweiligen Abend ruhig hingeben.

 

Titel und Cast

Death Note (2017)

Poster

Regisseur

Adam Wingard

Stream

seit 25.08.17 bei NETFLIX

Schauspieler

Nat Wolff (Light Turner)
Lakeith Stanflield (L)
Margaret Qualley (Mia Sutton)
Willem Dafoe (Ryuk/Voice)
Shea Whigham (James Turner)
Paul Nakauchi (Watari)

Trailer

Drehbuch

Charley Parlapanides
Vlas Parlapandies
Jeremy Slater

Kamera

David Tattersall

Musik

Atticus Ross
Leopold Ross

Schnitt

Louis Cioffi
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