Dean - Wie das Leben eben spielt Demetri Martin

Dean – Wie das Leben eben so spielt – Filmkritik

„Das Leid des Kreativen“

Meiner Generation, Baujahr in den 80er Jahren, wird immer vorgeworfen, dass wir alle Möglichkeiten zur Verfügung haben, aber am Ende des Tages nichts Produktives zustande bringen. Es gibt kaum noch Fabrikarbeiter in unserem Alter, die am Ende einer Schicht auf eine Palette Produkte schauen können und zufrieden in den Feierabend gehen. Unser selbstverliebtes Ziel der beruflichen Wahl ist es, etwas Kreatives entstehen zu lassen. Am besten noch im Zusammenhang mit einem Hobby oder einer Leidenschaft. Problem ist jedoch, dass man nie weiß, wann der Arbeitstag beginnt und wann er aufhört. Noch schlimmer wird es, wenn durch einen Schicksalsschlag einem nichts Originelles mehr einfällt und die Selbständigkeit verloren geht. So geht es auch Dean im gleichnamigen Film von und mit Demetri Martin.

Inhalt „Dean – Wie das Leben eben so spielt“

Dean (Demetri Martin) ist ein Zeichner von witzigen, aber auch gesellschaftskritischen Illustrationen. Ein Buch mit seinen Arbeiten hat er bereits veröffentlicht, hängt aber durch den Tod seiner Mutter in einer tiefen Schaffenskriese. Sein lösungsorientierter Vater Robert (Kevin Kline) hilft da auch nicht weiter, wenn er das Haus der Familie inklusive Deans Kindheitserinnerung verkaufen will. Ein Trip vom heimischen New York nach Los Angeles soll die Gedanken wieder frei machen. Aber die dortigen „Kreativen“ haben alle einen Sprung in der Schüssel und wissen nicht einmal das Wort Sozialkompetenz zu buchstabieren. In jeder guten Geschichte, die von einem vereinsamten Künstler handelt, muss es auch ein Girl-of-Interest geben. Das ist Nicky, gespielt von Gilian Jacobs („Love“, „Mädelsabend“), der Deans 20. Jahrhundert-Art sehr gefällt.


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Vom Fremdschämen bis zu bester minimalistischer Komik

Die Hauptfigur Dean schlurft so durch Leben, was mit der ein oder anderen von Woody Allen geprägten New York- Klischee-Szene eingerahmt wird. Dean findet sich nicht wirklich bei anderen Menschen zurecht. Die Szenen, die ihn gewollt in peinlichen Momenten zeigen sollen, gehen bei mir oft über die Grenze des Fremdschämens hinaus. Das liegt vielleicht auch daran, dass Demetri Martin anscheinend perfekt sich selber spielt oder hier sein Comedian-Ego zum Zuge kommt. Für mich war er auf Anhieb kein Schauspieler, vor allem wegen der künstlerischen Arbeit von ihm im Film. Das ist auch das Highlight in „Dean“, nämlich die witzigen Illustrationen, die immer wieder passend zum Filmgeschehen in Zwischensequenzen gezeigt werden oder in der Handlung von ihm selbst entworfen werden. Der einfache Zeichenstil und die Symbolik treffen unseren Zeitgeist und haben mir einige Lacher entlocken können. Zum richtig großen Schauspiel mit dem Entlocken von Emotionen auf der Seite des Zuschauers, reicht es bei Demetri Martin aber leider nicht. Er bleibt, wie seine notorische Vorlage Woody Allen, auf Abstand. Diese Schauspieldistanz wissen Kevin Kline als sein Vater und dessen neue Liebe, die Immobilienmaklerin Carol, zu überwinden. Carol wird von (Wenn man den eigenen Filmblog nach der großartigsten Filmreihe der Welt benannt hat, ist es eine Schande sie nicht erkannt zu haben …) Mary Steenburger, Clara aus „Zurück in die Zukunft III“, gespielt. Beide bringen Leben in den Film und wie sie um einander herumschleichen ist äußerst liebenswert inszeniert.

Fazit

So ganz will der Funke bei „Dean“ nicht rüberspringen, was ein bisschen an den beiden Hauptdarstellern liegen mag. Ich konnte mich einfach schlecht mit ihren Problemen identifizieren. Der Soundtrack wirkt mir auch zu gewollt cool und Dean selbst ist zu sehr aus dem Komödien-Komplex von Jason Schwartzman kopiert. Die cleveren Illustrationen der Hauptfigur und die Schauspielleistung von Kevin Kline machen „Dean“ dennoch für einen Sonntagnachmittags-Film zu einem guten und kurzweiligen Zeitvertreib.

Titel, Cast und Crew

Dean - Wie das Leben eben so spielt (2016)
OT: Dean

DVD Cover

Cover Dean wie das Leben so spielt DVD


Veröffentlichung

ab dem 27.04.18 nur auf DVD (bei Amazon kaufen)

Regisseur

Demetri Martin

Trailer

Schauspieler

Demetri Martin (Dean)
Gilian Jacobs (Nicky)
Kevin Kline (Robert)
Mary Steenburgen (Carol)
Ginger Gonzaga (Jill)
Rory Scovel (Eric)

Drehbuch

Demetri Martin

Kamera

Mark Schwartzbard

Musik

Mark Noseworthy
Orr Rebhun

Schnitt

Josh Salzberg

Filmlänge

94 Minuten

FSK

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