Tom Hanks in Bridge of Spies

Bridge of Spies – Filmkritik

Brücken sind zum Überwinden da

Die eigene Erwartung an einen Film beeinflusst doch sehr stark das endgültige Filmurteil. „Das Buch ist besser“, „Typisch amerikanisch“ sind Phrasen denen man sich schlecht vor dem Kinoerlebnis entziehen kann. Noch schwieriger wird es, wenn eine amerikanische Millionenproduktion die Situation im geteilten Berlin Ende der 50er zeigen möchte und dann noch die Hollywoodschwergewichte Steven Spielberg und Tom Hanks aktiv am Werk sind. Die Zusammenarbeit beider trägt Kinofrüchte wie „Der Soldat James Ryan“, „Catch Me If You Can“ und „Terminal“. Es scheint lediglich an den Terminkoordinierung zu scheitern, dass hier eine Filmehe á la Scorsesse-DiCaprio entstanden ist.

„Bridge of Spies“ beginnt mit dem Maler Rudolf Abel (Mark Rylance) in Brooklyn 1957. Schnell wird klar, dass es sich hier nur um eine Tarnung handelt und die CIA – klassisch mit Hüten und Trenchcoats – hinter ihm her ist. Nach der Ergreifung ist dem amerikanischen Geheimdienst ohne das Rechtsgrundlagen, wie Durchsuchungsbefehl oder Beweise Anwendung finden, schnell klar: Abel ist ein sowjetischer Spion, der in der kommunistischen Paranoia der Bevölkerung nur noch der Form halber schnell zum Tode verurteilt werden soll. Da die USA ja ein lupenreines Rechtssystem hat soll Abel auch verteidigt werden und das von dem neutraler Verteidiger James Donovan (Tom Hanks). Dieser nimmt den Fall um Sorge seines Rufes ungern an, was jedoch im Hinblick auf die Bedrohung seiner Familie durch den Mob im späteren Verlauf sein kleinstes Problem ist. Dem Zuschauer bleibt der Gerichtsprozess erspart. Im Richterhinterzimmer fällt schon die Entscheidung am ersten Tag ohne die Beteiligung der Jury. Donovan hebt im persönlichen Gespräch mit dem Richter noch einmal den Wert eines sowjetischen Spions hervor und somit muss Abel „nur noch“  30 Jahre ins Gefängnis.
Der Airforce Pilot Gary Powers (Austin Stowell) wird währenddessen von Russland bei der Flugspionage abgeschossen, sowie der amerikanische Student Frederic Pryor (Will Rogers) durch die NVA in Ost-Berlin willkürlich festgenommen. So wird Donovan von der CIA gebeten als Unterhändler nach Ostberlin zu fliegen, um einen Spiontausch zu organisieren. Was nicht nur wegen dem Tauschverhältnis  1 zu 2 schwierig ist, sondern auch an den zwischen den Zeilen redenden Genossen. Das Ganze ist natürlich noch inoffiziell und ohne Handlungsspielraum für Donovan.

Tom Hanks (The Circle) spielt routiniert sympathisch mit einer ordentlichen Portion Rückgrat den moralischen Laufburschen der seine Aufgabe naiv wie auch clever erledigt. Die Akteure des kalten Krieges bleiben nur als Karikaturen in den modrigen, grauen Büros zurück. Die Beteiligung der Coen-Brüder („The Big Lebowski“, „Burn After Reading) am Drehbuch ist hier bei den vielen skurrilen Figuren hinter dem Eisernen Vorhang nicht zu verkennen. Hanks nimmt sich aber in den Szenen mit Mark Rylance gekonnt zurück. Rylance spielt die Figur des Abel vom unsympathischen Spion der ersten Filmminuten bis zur  Herzensangelegenheit Donovans beeindruckend leichtfertig und man fragt sich warum er nicht schon eher von der Bühne des britischen Theaters auf die Kinoleinwand gewechselt ist.

Spielberg inszeniert wie aus dem Lehrbuch. Bilder erzählen die Geschichte und deren Charaktere, nicht Dialoge. Die Dialoge sind auch so doppeldeutig geschrieben, dass ohne enormes geschichtliches Hintergrundwissen jeden Motivation zu verstehen ist. Die Schnitte zwischen den jeweiligen Orten lassen das Filmherz höher hüpfen und so kommt man zum Beispiel vom abstürzenden Jet direkt in den Ventilator auf dem Schreibtisch der Anwaltskanzlei. Stimmungen werden leider relativ subtil durch Licht und Farben erzeugt. Von dem gemütlichen, warmen Räumen der Familie Donovan geht es über das graue Westberlin in das völlig zerstörte Ostberlin, das auch gleich über die Klimaeigenschaften von Sibirien verfügt. Um der ganzen Sache noch einen drauf zu setzen wird Donovan gleich an der erste Ecke der warme Mantel von ostdeutschen Wegelagereren geklaut.  Was jedoch bei genauem Hinhören zwischen den Zeilen des KGB-Chefs sich als Anordnung dessen herausstellt. Die noch junge DDR wird sehr ironisch gezeigt. Posträder fahren geschäftig durch die Flure der Partei und viele Telefone auf dem Schreibtisch machen eben auch keinen kompetenten Parteifunktionär. Jedoch ist die Ausstattung mit so viel Liebe zum Detail gestaltet, was eben auch den Drehorten in Berlin und dem Produktionsteam aus Babelsberg zu verdanken ist.

Am Ende wird dem Zuschauer erst beim Abspann bewusst wie gut Spielberg und Hanks den kautzigen Ostdeutschen in einem Selbst um den Finger gewickelt haben. Das eigene Filmherz ist einem doch wichtiger als die persönliche Herkunft. Ja Hollywood, du darfst gerne wieder kommen und dich mit unserer Geschichte beschäftigen.

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