Black Mass Johnny Depp Joel Edgerton Filmkritik

Black Mass – Filmkritik

Skrupelloses Schauspiel

Wenn sich ein Film zwischen unterschiedlichen Genres bewegt, kann das durchaus spannend und unterhaltsam sein. Aber ich liebe es auch, wenn ich einen 100-prozentigen Genrefilm zu sehen bekomme. Und „Black Mass“ ist durch und durch ein Gangsterfilm. Wenn die Handlung dann noch auf wahren Begebenheiten und Personen beruht, ist die halbe Miete für eine gute Bewertung bei mir schon drin. Scott Cooper ist einer der talentiertesten Indie-Regisseure aus den USA und hat mit nur zwei Filmen: das Countrysänger-Portrait: „Crazy Heart“ (2009) mit Jeff Bridges in der Hauptrolle und das mit Faustschlägen garnierte Drama „Auge um Auge“ (2013) (mit dem tollen Originaltitel: „Out of the Furnace“) bereits für Aufsehen gesorgt. Interessant ist bei den überwiegend positiven Kritiken, dass der kommerzielle Erfolg immer ein bisschen ausbleibt, vor allem außerhalb von den USA. Dabei gelingt Cooper mit seinen Filmen ein realistischer Blick auf die amerikanische Gesellschaft, der ohne wehende Flaggen und Patriotenparolen auskommt.

Inhalt von „Black Mass“

Johnny Depp („Mord im Orient-Express“) spielt den irischen Gangster James „Whitey“ Bulger, der in Boston eine anfangs noch kleine Verbrecherbande anführt. Die italienische Mafia rückt aber Stück für Stück in sein Revier. Da kommt ihm sein alter Schulkumpel John Connolly (Joel Edgerton) als FBI-Agent zu Hilfe. Die Beiden schließen eine Allianz: Jimmy bekommt Informantenstatus beim FBI und Connolly erfährt, wo die Zentrale der italienischen, organisierten Verbrecher ist. Dass diese Partnerschaft nicht endet, weil alle Beteiligten immer gieriger werden, ist klar. Wer jedoch denkt, dass ihn hier die üblichen Montagen mit Drogenpartys, Geldbergen und immer größeren Villen erwartet, irrt sich. Denn James Bulger ist ein „Boston-Southie“ und wird immer in diesem dunklen, armen Stadtteil bleiben und ihn beherrschen wollen.

Schauspiel vs. Unterhaltung

Johnny Depp zeigt seit Langem einmal wieder, was er als Schauspieler draufhat. Das Make-up ist schon so beeindruckend, dass man ihn kaum noch erkennt, aber diese kriminelle Visage bekommt erst durch seine Gestik und Mimik die Bösartigkeit, die diesem Verbrecher zusteht. Das Aufgebot an Schauspielern um ihn herum ist bestens besetzt: Kevin Bacon als FBI-Chef, Benedict Cumberbatch als James‘ Bruder und Senator von Massachusetts, Peter Sarsgard als durchgeknallter Killer, Jesse Plemons (Der Metzger aus Staffel 2 von „Fargo“) als Handlanger und David Harbour (Sheriff Jim Hopper aus „Stranger Things“) als FBI-Agent. Das macht „Black Mass“ zu einem Film des Schauspiels, jeder agiert genau mit seinem Gegenüber und verkörpert die Rolle wie einen maßgeschneiderten Anzug. Die Kamera ist meist statisch gesetzt und wechselt von einem voyeuristischen Zeugen, der mit etwas Abstand durch offene Türen auf die Akteure blickt, zu einem Teilnehmer zum Filmende, der ganz nah an dem Geschehen und den Betroffenen ist.

In diesem Boston scheint auch nie die Sonne. Der Film spielt hauptsächlich im Herbst und Winter. Selbst kurze Abstecher nach Florida sind mit einem bedeckten Himmel gefilmt. Das bringt uns auch schon zum Problem des Films: Es ist die Biografie eines kriminellen Psychopaten, der mordet, erpresst, bedroht und dabei kalt ist wie Beton. Es gibt kaum eine Sympathiefigur an die man sich in diesem Gangsterfilm klammern kann. Selbst Benedict Cumberbatch als Bruder stößt durch seine Scheinheiligkeit ab. Die Beziehung dieser Geschwister ist beeindruckend dargestellt, beruflich verlieren sie kein Wort über einander, aber familiär halten sie zusammen. Durch das Fehlen der üblichen Dramaturgie-Elemente zum Wohle der Authentizität entsteht zu wenig Spannung. Dadurch wird aber auch ein vollkommenes Bild von dem Kopf der „Winter Hill Gang“ von Boston gezeichnet.

„Black Mass“ ist durch und durch ein knallharter Gangsterfilm, der Gewalt schonungslos darstellt und es somit schafft, aus der Person „James Bulger“ keine Ikone zu machen. Das geschieht leider auf Kosten des eigenen Wohlfühlbereichs und der Unterhaltung, ist aber im Endeffekt beeindruckender als die üblichen verfilmten Verbrecher-Biografien.

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Cast und Crew

Black Mass (2015)

Poster

Black Mass Poster Johnny Depp Filmkritik

Kinostart Deutschland

18.09.2015

Regisseur

Scott Cooper

Schauspieler

Johnny Depp (James "Whitey" Bulder)
Joel Edgerton (John Connolly)
Benedict Cumberbatch (Billy Bulger)
Jesse Plemons (Kevin Weeks)
David Harbour (John Morris)
Dakota Johnson (Lindsey Cyr)
Kevin Bacon (FBI Agent Charles McGuire)
Adam Scott (FBI Agent Robert Fitzpatrick)
Peter Sarsgaard (Brian Halloran)

Trailer

Drehbuch

Mark Mallouk
Jez Butterworth

Buchvorlage

"The True Story of an Unholy Alliance Between the FBI and the Irish Mob" von Dick Lehr und Gerard O´Neill

Kamera

Masanobu Takayanagi

Musik

Tom Holenborg alias Junkie XL

Schnitt

David Rosenbloom

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