Jennifer Connely und Ewan McGregor in Amerikanisches Idyll

Amerikanisches Idyll – Filmkritik

Zerstörung der gelangweilten Mittelschicht

Das Wort „Idyll“ hat keine blütenreine Weste. Es klebt etwas Behäbiges, Unflexibles und Altbackenes an dieser Utopie. Der Bestseller von Philip Roth „Amerikanisches Idyll“ wurde in die Liste der besten englischsprachigen Bücher der letzten 100 Jahre aufgenommen. 20 Jahre hat es gedauert, bis die Filmemacher am Leben und Niedergang von Seymor Levov eine audiovisuelle Version abgebildet haben. Ewan McGregor hat sich für sein Regiedebüt mit American Pastoral (Originaltitel) nicht gerade den leichtesten Start ausgesucht. Um den Film auch finanziell abzusichern und zumindest minimale Einspielergebnisse bei dieser, weit von einem Unterhaltungsfilm entfernten, Geschichte zu garantieren, musste McGregor die Hauptrolle übernehmen. Bei den Kritikern hat diese Filmarbeit keine hohen Wellen geschlagen und wurde mit durchschnittlichen bis belanglosen Bewertungen abgespeist. Warum mich der Film denoch beeindruckt hat, erzähle ich euch nach einer knappen Inhaltsangabe.

Seymour „Der Schwede“ Levov (Ewan McGregor) war in der Schule eine beliebte Sportskanone. Nachdem er  aus dem 2. Weltkrieg heimgekehrt war, konnte er im ländlichen Newark, New Jersey die Handschuh-Firma seines Vaters erfolgreich übernehmen. Durch das Ablegen der jüdischen Traditionen seiner Familie, konnte er die Schönheitskönigin Merry (Jennifer Connelly) heiraten. Das junge Paar zog in ein Bilderbuch-Anwesen und bekam eine Tochter, die das gute Aussehen der Eltern geerbt hatte, jedoch unter einem Sprachfehler litt. Dies war der erste kleine Riss im Paradies der Familie Levov und viele weitere sollten folgen.

Die Bilder des Kameramanns Martin Ruhe fangen wunderschön die 50er und 60er Jahre in den Vororten von New York ein. Wie auch die Hauptfiguren, verändern sich die Bilder zu dunklen, unscharfen Blicken auf das Zeitgeschehen und die Straßenunruhen Ende der 60er Jahre. Der Abstieg der Familienmitglieder wird auch visuell vollzogen.
Ewan McGregor spielt stoisch den Übervater. Es kann ihm nicht angekreidet werden, dass die Figur von ihm zu eindimensional verkörpert wird. Er muss es sein, denn durch sein passives Verhalten stürzt er die amerikanische Traumfamilie noch mehr in die Rebellion und treibt sie auseinander. Alle Schauspieler machen ihre Arbeit überzeugend, denn wenn einer der Ihren Regie führt, ist das auch keine Überraschung. McGregor erzählt die umfangreiche Geschichte souverän komprimiert und weiß in den entscheidenden Situationen sich Zeit zu nehmen, vor allem wenn es um die Trennung des Vaters von seiner Tochter geht. Diese Trennung ist das Herzstück des Films und stellt auf grausame Weise die erzwungene Selbständigkeit der Tochter dar. Sie braucht ihn nicht mehr als Beschützer, sie will die Welt verändern und zwar mit aller Macht.

Es bleibt uns wenig nach der letzten Szene des Films. Nichts ist mehr übrig von der „schönen alten Zeit“. Amerikanisches Idyll gibt uns keinen Lösungsansatz für unsere Probleme mit auf den Weg. Die muss man mit seinen Kindern wohl selbst finden, wenn sie rebellieren und vielleicht alles verbrennen werden.

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Cast und Crew

The Square (2017)

Poster

The Square Film-Poster Filmkritik

Veröffentlichung Deutschland

ab 19.10.2017 im Kino

Regisseur

Ruben Östlund

Schauspieler

Claes Bang (Christian)
Elisabeth Moss (Anne)
Dominic West (Julian)
Molly Parker (Sheila Smith)

Trailer

Drehbuch

Ruben Östlund

Kamera

Fredrik Wenzel

Schnitt

Jacob Secher Schleusinger
Ruben Östlund
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